Dienstag, 14. Dezember 2010

Weihnachtsgrüße


Statt Karten, Telefonanrufen, Rauchzeichen oder Brieftauben dachte ich mir, ich sende dieses Jahr musikalische Weihnachtsgrüße. Es hat sich ja hier die Unsitte eingebürgert sämtliche Kommentare ohne Nick nur als Gast abzusenden. Vermutlich wollen die Leute einfach nicht erkannt werden, nicht einmal von mir. Also habe ich unter Wahrung der heiligen Anonymität jedem einen Gruß gesandt den hoffentlich nur er versteht. Dies sind sämtliche Leute denen ich den die Existenz dieses Blogs offenbart habe. Viele kennen sich untereinander gar nicht, einige können sich nicht leiden, andere sehr. Die Auswahl der Titel habe ich mir nicht einfach gemacht, es war sogar ungeheuer schwer. Nahost-Vermittler ist sicher einfacher. Sie repräsentieren nicht immer meinen oder den Musikgeschmack der angesprochenen Person. Ich habe sie so passend gemacht, wie es ging, damit sich nur diejenige Person angesprochen fühlt ohne das die anderen die Mauer der Anonymität durchbrechen können. Sicher ist mir das nicht immer gelungen.



Das nächste Mal wenn ich Dich besuche, spiel mir doch mal was auf Deinem Cello vor.



Keine Streits mehr wegen des IPCC im nächsten Jahr bitte, das hat mir sehr zugesetzt. Das ist es nicht wert.



Junge, es kommt nichts besseres mehr. Mir gehen langsam die Lattenzäune aus. 


Wie lange kann man sauer sein? Melde Dich endlich mal, verdammt!


Crusader war performant nicht einzubetten, ich hoffe das trifft Deinen Geschmack. 


Der Titel war am schwersten, aber immerhin kann niemand hier so gut Latein wie Du.


Leider so hoffnungslos.


Ich möchte nochmal wegen der Farcaster nachfragen, Du warst dafür eingeteilt! Ich warte jetzt schon 10 Jahre.



In ungefähr der Geschwindigkeit haben wir das durchgezogen, товарищ!


In jeder Gruppe gibt es einen Schurken, das bist Du! Mögest Du in der Hölle schmoren.



Die wichtigste Person kommt immer zuletzt. Prinzessinnen sind in letzter Zeit ganz groß im kommen hab ich gehört. Bleib so wie Du bist und lass Dir Zeit mit dem Erwachsenwerden. Wenn ich von meinem Alter aus so auf die Welt sehe, ist der Zynismus, der darin herrscht kaum noch zu ertragen. Aber wer aus den Kerkern Thangorodrims kommt dem sind alle Wege krumm heißt es in der Narn I Chîn Húrin. War ist aber auch, diesmal etwas weniger kryptisch: "On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux."


In diesem Sinne wünsche ich allen die Botschaft des letzten Videos.


Freitag, 10. Dezember 2010

Was ist das?

Ich dachte zur Weihnachtszeit mache ich mal ein kleines Rätsel mit Niveau. Keine Angst man muss nichts rechnen oder so. Ein ganz einfaches Bildrätsel: pro Tag ein Bild mit einem sich immer weiter vergrößernden Ausschnitt. Es darf also gerne geraten werden.


Rätsel Teil 2:


Rätsel Teil 3:


Rätsel Teil 4:


Auflösung:





Glückwunsch! Tatsächlich handelt es sich um das in der al Secco-Technik ausgeführte Wandgemälde L'Ultima Cena von Leonardo di ser Piero da Vinci. Al Secco (it. aufs trockene) bedeutet das er auf den trockenen Putz gemalt hat, im Gegensatz zur al Fresco-Ausführung (it. "affresco" = ins Frische). Das hat Konsequenzen für die Haltbarkeit und den Entstehungsprozess des Gemäldes. Ein guter Vergleich ergibt sich wenn man sich Giottos fast 200 Jahre ältere Fresken in der Cappella degli Scrovegni ansieht (Link und Video in den Kommentaren).

Die über 500 jährige, wechselvolle Geschichte dieses Bildes ist zu umfangreich, um sie hier verkürzt darzustellen. Man würde Ihr nicht gerecht werden. Sie kommt auf jeden Fall locker ohne das verschwörungstheoretische Ejakulat amerikanischer Popular-Erzähler aus. Es würgt mich in diesem Zusammenhang den Begriff Schriftsteller oder Literat zu verwenden oder den Namen zu erwähnen. Ihn in einem Atemzug mit Leonardo zu nennen wäre ein völlig undenkbares, widernatürliches, häretisches und blasphemisches Sakrileg.

Als technische Randbemerkung kann ich sagen, das die photographische Darstellung des Bildes eine Auflösung von 16 Gigapixeln aufweist. Zu bestaunen ist das ganze neben anderen Gemälden hier. Die Seite ist einen Besuch wert.




Donnerstag, 9. Dezember 2010

Tango Down

In den letzten Tagen verfolgte ich, wir die meisten Leute, die Berichterstattung rund um Wikileaks und die veröffentlichte geheime Diplomatenpost. Im Zuge der Ereignisse wurde der Gründer von Wikileaks Julian Assange verhaftet und wartet nun in einem englischen Gefängnis auf seine Auslieferung nach Schweden, um dort wegen diverser Vorwürfe im Zusammenhang mit den Anzeige zweier Frauen befragt zu werden.
Der Hauptvorwurf ist "sex by surprise". Dies ist eine etwas seltsame Angelegenheit. Es bedeutet, das man Sex ohne Kondom hat, obwohl der Sexualpartner dies forderte. Einvernehmlichen Sex wohlbemerkt! Dies ist in Schweden strafbar und wird mit 5000 Kronen (ca. 750 Euro) Bußgeld geahndet. Ich will gar nicht auf die Seltsamkeit dieses Vorwurfes eingehen. Andere Länder, andere Sitten!
Interessanter ist im Zusammenhang mit Wikileaks das der DNS-Provider von Wikileaks die Domain wikileaks.org gesperrt hat und diverse Finanzunternehmen wie Paypal, Visa und Mastercard die Geschäftsbeziehung mit Wikileaks wegen fadenscheiniger Gründe aufgelöst haben und dadurch die Finanzierung der Webseite gefährden. 
Ebendiese Unternehmen sind seitdem zahllosen Angriffen durch Hacker ausgesetzt. Alles begann mit einem Aufruf auf der Mircoblogging-Platform Twitter:

@: The first serious infowar is now engaged. The field of battle is WikiLeaks. You are the troops.
#WikiLeaks ist ein sogenannter Hashtag, d.h. ein Label nach dem man in Twitter suchen kann und so unter den Millionen Meldungen pro Sekunde diejenigen findet, die man sucht. 

An diesem Punkt beschloss ich Hacker für einen Tag zu werden. 

Orchestriert wurde der Angriff von einer Hackergruppe namens Anonymus Operations, genannt wurde sie "Operation Payback".
Tja, und wie findet man diese Leute? Es ist eigentlich einfacher als ich dachte, denn so versteckt sind sie gar nicht. Sie sind im irc zu finden, dem Internet Relay Chat. Im wesentlichen ist das eine weitverbreitete Chat-Platform, die es schon vor dem WWW gab. Also schnell auf deren Server gehopst und schon war ich mit 1800 gleichgesinnten in einem Chatroom. Dort wurde recht schnell erklärt was gemacht werden soll.
Low Orbit Ion Cannon
Die Webseite des Kreditkartenunternehmens MasterCard attackieren. Und zwar mit einer sogenannten DDoS-Attacke. Dies ist im wesentlichen der Versuch eine Webseite dadurch zum Absturz zu bringen, das tausende von Computern gleichzeitig darauf zugreifen.
Und wie macht man das? 
Kein Problem! Wir wurden angewiesen das Programm Low Orbit Ion Cannon herunterzuladen und es zu installieren. Man kann es solo benutzen, oder aber mit anderen Rechnern zu einem sogenannten Hive-Mind zusammenschließen und seinen Rechner in einem Botnet arbeiten lassen, um die Attacke punktgenau starten zu können. Gesagt, getan!
Als ich mich dem Hive-Mind anschloss lief gerade die Attacke auf mastercard.com mit der Folge das diese Webseite den ganzen Tag über unerreichbar war. Um 22:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit kam der Angriffsbefehl auf visa.com:

@Anon_Operationn: CURRENT TARGET: http://WWW.VISA.COM :: WEAPONS http://bit.ly/e6iR3X ::: SET YOUR LOIC TO --> irc.anonops.net & FIRE FIRE FIRE!
So sehen die heutzutage die Angriffsbefehle eines digitalen Krieges aus. 5 Minuten später war visa.com unter der Last von Millionen gleichzeitiger Rechneranfragen zusammengebrochen. Alle großen Nachrichtenportale weltweit wie z.B. CNN, Spiegel-online, Guardian berichteten darüber im Laufe des Tages.

Ich mache mir keine Illusionen die Geschäfte dieser Firmen ernsthaft beeinträchtigt zu haben, aber das Presseecho war es alle mal wert. Konservative Kommentatoren beschrieben die Aktion als sehr gefährlich, ungeheuer aggressiv und ich wurde als Cyber-Anarchist bezeichnet.
Unter uns Hackern sagt man aber nur:


visa.com TANGO DOWN!

Freitag, 3. Dezember 2010

I wanna believe!

Auszug aus einem Live-Chat der englischen Tageszeitung "The Guardian". Ich war übrigens mit dabei!


Mr Assange, have there ever been documents forwarded to you which deal with the topic of UFOs or extraterrestrials?

.....However, it is worth noting that in yet-to-be-published parts of the cablegate archive there are indeed references to UFOs.









Wikileaks.org nicht mehr zu erreichen...

So, ich bin in diesem Punkt einmal sehr, sehr aktuell. Zu diesem Zeitpunkt (10:41 Uhr) hat diese Nachricht die Twitter- und Blogosphäre noch nicht verlassen. Die regulären Online-Nachrichtenportale haben Sie noch nicht aufgegriffen.

Die Webseite Wikileaks.org (für diejenigen, die hinter dem Mond leben bei den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen: Das ist das Portal, welches die Diplomatenpost der Vereinigten Staaten veröffentlicht hat, über die gerade so viel geredet wird.) steht seit mehreren Tagen unter massivem Beschuss von Distributed-Denial-of-Service-Attacken. 
Das sind im wesentlichen Millionen von Anfragen anderer Rechner an die angegriffene Webseite mit dem Ziel deren  Infrastruktur-Systeme zu überlasten und sie unerreichbar zu machen. 
So hatte wikileaks.org am 30.11. eine DDoS-Attacke abzuwehren, die Anfragen im Datenvolumen von 10 Gigabit pro Sekunde überstieg (das ist viel!). 
In den vergangenen Tagen wurden wikileaks die angemieteten Server bei amazon entzogen, sie mussten auf schwedische Server umziehen.
Und jetzt kommts und das ist neu und noch nirgendwo zu lesen: Der DNS-Provider EveryDNS hat soeben seinen Dienst für Wikileaks eingestellt. Das bedeutet die Wikileaks.org ist nicht mehr zu erreichen. Hier die fadenscheinige Begründung:

EveryDNS.net provided domain name system (DNS) services to the wikileaks.org domain name until 10PM EST, December 2, 2010, when such services were terminated. As with other users of the EveryDNS.net network, this service was provided for free. The termination of services was effected pursuant to, and in accordance with, the EveryDNS.net Acceptable Use Policy.
More specifically, the services were terminated for violation of the provision which states that "Member shall not interfere with another Member's use and enjoyment of the Service or another entity's use and enjoyment of similar services." The interference at issues arises from the fact that wikileaks.org has become the target of multiple distributed denial of service (DDOS) attacks. These attacks have, and future attacks would, threaten the stability of the EveryDNS.net infrastructure, which enables access to almost 500,000 other websites.
Thus, last night, at approximately 10PM EST, December 1, 2010 a 24 hour termination notification email was sent to the email address associated with the wikileaks.org account. In addition to this email, notices were sent to Wikileaks via Twitter and the chat function available through the wikileaks.org website. Any downtime of the wikileaks.org website has resulted from its failure to use another hosted DNS service provider.
Was man davon zu halten hat? Darüber mag ich nicht mutmaßen. Die Verschwörungstheoretiker sind sicher schon umtriebig. Ich möchte aber anfügen das sich die Attacken gegen die Domain richteten und nicht gegen die Wikileaks-Server selbst, von daher ist es verständlich das der Provider einschritt.
Im Gesamtzusammenhang mal ein paar weise Worte eines verstorbenen Amerikaners.





10:51 Uhr: Immerhin Spiegel-Online um 10 Minuten geschlagen...


11:05 Uhr: Es geht Schlag auf Schlag! Wikileaks wieder erreichbar unter:


wikileaks.ch oder http://88.80.13.160 

Ich gehe davon aus, das Sie jetzt ein paar Mal um den Globus gejagt werden. Twitter ist das einzige was wirklich gut funktioniert im Moment: http://twitter.com/#!/wikileaks

11:25 Uhr: Es ist gerade ein ziemlicher Internet-Krieg im Gange. Auf wikileaks.info sind Mirror-Seiten aufgeführt, die auch schon wieder zur Hälfte down sind. Zur Zeit wird überall Hilfe organisiert um weitere Mirrors zu öffnen, immer neue URLs werden registriert um kurz danach im Sperrfeuer von DDoS-Attacken unterzugehen.