In den letzten Tagen verfolgte ich, wir die meisten Leute, die Berichterstattung rund um Wikileaks und die veröffentlichte geheime Diplomatenpost. Im Zuge der Ereignisse wurde der Gründer von Wikileaks Julian Assange verhaftet und wartet nun in einem englischen Gefängnis auf seine Auslieferung nach Schweden, um dort wegen diverser Vorwürfe im Zusammenhang mit den Anzeige zweier Frauen befragt zu werden.
Der Hauptvorwurf ist "sex by surprise". Dies ist eine etwas seltsame Angelegenheit. Es bedeutet, das man Sex ohne Kondom hat, obwohl der Sexualpartner dies forderte. Einvernehmlichen Sex wohlbemerkt! Dies ist in Schweden strafbar und wird mit 5000 Kronen (ca. 750 Euro) Bußgeld geahndet. Ich will gar nicht auf die Seltsamkeit dieses Vorwurfes eingehen. Andere Länder, andere Sitten!
Interessanter ist im Zusammenhang mit Wikileaks das der DNS-Provider von Wikileaks die Domain wikileaks.org gesperrt hat und diverse Finanzunternehmen wie Paypal, Visa und Mastercard die Geschäftsbeziehung mit Wikileaks wegen fadenscheiniger Gründe aufgelöst haben und dadurch die Finanzierung der Webseite gefährden.
Ebendiese Unternehmen sind seitdem zahllosen Angriffen durch Hacker ausgesetzt. Alles begann mit einem Aufruf auf der Mircoblogging-Platform Twitter:
@JPBarlow: The first serious infowar is now engaged. The field of battle is WikiLeaks. You are the troops.#WikiLeaks
#WikiLeaks ist ein sogenannter Hashtag, d.h. ein Label nach dem man in Twitter suchen kann und so unter den Millionen Meldungen pro Sekunde diejenigen findet, die man sucht.
An diesem Punkt beschloss ich Hacker für einen Tag zu werden.
Orchestriert wurde der Angriff von einer Hackergruppe namens Anonymus Operations, genannt wurde sie "Operation Payback".
Tja, und wie findet man diese Leute? Es ist eigentlich einfacher als ich dachte, denn so versteckt sind sie gar nicht. Sie sind im irc zu finden, dem Internet Relay Chat. Im wesentlichen ist das eine weitverbreitete Chat-Platform, die es schon vor dem WWW gab. Also schnell auf deren Server gehopst und schon war ich mit 1800 gleichgesinnten in einem Chatroom. Dort wurde recht schnell erklärt was gemacht werden soll.
| Low Orbit Ion Cannon |
Die Webseite des Kreditkartenunternehmens MasterCard attackieren. Und zwar mit einer sogenannten DDoS-Attacke. Dies ist im wesentlichen der Versuch eine Webseite dadurch zum Absturz zu bringen, das tausende von Computern gleichzeitig darauf zugreifen.
Und wie macht man das?
Kein Problem! Wir wurden angewiesen das Programm Low Orbit Ion Cannon herunterzuladen und es zu installieren. Man kann es solo benutzen, oder aber mit anderen Rechnern zu einem sogenannten Hive-Mind zusammenschließen und seinen Rechner in einem Botnet arbeiten lassen, um die Attacke punktgenau starten zu können. Gesagt, getan!
Als ich mich dem Hive-Mind anschloss lief gerade die Attacke auf mastercard.com mit der Folge das diese Webseite den ganzen Tag über unerreichbar war. Um 22:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit kam der Angriffsbefehl auf visa.com:
Ich mache mir keine Illusionen die Geschäfte dieser Firmen ernsthaft beeinträchtigt zu haben, aber das Presseecho war es alle mal wert. Konservative Kommentatoren beschrieben die Aktion als sehr gefährlich, ungeheuer aggressiv und ich wurde als Cyber-Anarchist bezeichnet.
Unter uns Hackern sagt man aber nur:
Als ich mich dem Hive-Mind anschloss lief gerade die Attacke auf mastercard.com mit der Folge das diese Webseite den ganzen Tag über unerreichbar war. Um 22:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit kam der Angriffsbefehl auf visa.com:
So sehen die heutzutage die Angriffsbefehle eines digitalen Krieges aus. 5 Minuten später war visa.com unter der Last von Millionen gleichzeitiger Rechneranfragen zusammengebrochen. Alle großen Nachrichtenportale weltweit wie z.B. CNN, Spiegel-online, Guardian berichteten darüber im Laufe des Tages.@Anon_Operationn: CURRENT TARGET: http://WWW.VISA.COM :: WEAPONS http://bit.ly/e6iR3X ::: SET YOUR LOIC TO --> irc.anonops.net & FIRE FIRE FIRE!
Ich mache mir keine Illusionen die Geschäfte dieser Firmen ernsthaft beeinträchtigt zu haben, aber das Presseecho war es alle mal wert. Konservative Kommentatoren beschrieben die Aktion als sehr gefährlich, ungeheuer aggressiv und ich wurde als Cyber-Anarchist bezeichnet.
Unter uns Hackern sagt man aber nur:
visa.com TANGO DOWN!
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