| Bildniss von Samuel Hahnemann |
Schon lange wollte ich einen Artikel über eine der größten Irrlehren der letzten 200 Jahre schreiben. Hauptsächlich deswegen, weil ich, jedesmal wenn ich damit konfrontiert werde, einen leichten Brechreiz unterdrücken muss. Von falschen Propheten war hier ja schon an anderer Stelle die Rede, deswegen greife ich das Thema nocheinmal auf und berichte über die Lehre eines Meißener Herrn, der seit über 200 Jahren die Hirne von Millionen Menschen vernebelt. Auch von Teilen meiner Leser übrigens.
Warum Hahnemann?
Was unterscheidet Hahnemanns Lehre eigentlich von Irisdiagnostik, Reinkarnationstherapie oder astrologischer Gesundheitsberatung, oder von Reiki, Pendeln, Geistheilung. Auf den ersten Blick nichts. Alles sind Irrlehren, deren Wirkprinzipien auf der Täuschung des Patienten beruhen verstärkt durch die Selbsttäuschung des Behandelnden.
Und doch sind diese Irrlehren bezüglich ihrer gesellschaftlichen Wirkung zu unterscheiden. Einer Person, die behauptet mit einem Verstorbenen in Kontakt zu treten und dadurch Ratschläge für die Lebenden zu erteilen ist natürlicherweise weniger glaubwürdig als ein approbierter Arzt, der im weissen Kittel ein "homöopathisches" Arzneimittel anpreist. Letzterer ist entweder ein Ignorant oder ein Geldschneider. Wie anders wäre es zu erklären, das er ein Mittel empfiehlt, das in krassem Widerspruch zur seiner wissenschaftlichen Ausbildung steht.
Widerlegung
Die Homöopathie ist unvereinbar mit der Naturwissenschaft! Diese Aussage ist hundert- und tausendfach bewiesen und aus naturwissenschaftlicher Sicht kein keinerlei Zweifel mehr daran bestehen, das dem so ist. Man kann nicht an naturwissenschaftliche Prinzipien glauben und gleichzeitig die homöopathischen Wirkmechnismen für richtig halten. Wer das tut, hat entweder die eine Lehre oder die andere nicht verstanden. Bis zum erbrechen wurde das diskutiert und erörtert, Studien über Studien, Papierberge über Papierberge, alle größtenteils ignoriert durch die Bevölkerung, weil mehr als zwei Zahlen auf einer DIN A4-Seite Kopfschmerzen verursachen. Deswegen werde ich mal eine Widerlegung versuchen, die völlig ohne Formeln auskommt und auf Zahlen weitgehend verzichtet. Ich werde stattdessen Beispiele nennen, die den Sachverhalt darlegen und nur die Ratio sprechen lassen.
Ich behaupte nicht, das die Naturwissenschaft alles erforschen und erklären kann, wohl aber versetzt sie uns in die Lage darzulegen, das die Homöopathie nichts erklären kann.
Die größte Verwundbarkeit ist die Unwissenheit. Sūnzǐ bīngfǎ
Grundlagen der Homöopathie
Wie geht man so etwas an? Man kann nicht alle Prinzipien der Homöopathie schriftlich darlegen, das sprengt jeden Post. Deswege halten ich mich an die Hauptthesen, wie sie heute noch gelten und gelehrt werden. Dadurch wird schnell deutlich, das wir es hier mit einem Phänomen zu tun haben, das sich jenseits der Logik und Naturwissenschaft befindet.
1. similia similibus curentur
Die wichtigste Grundannahme der Homöopathie besteht im Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, das "Arzneien", die ähnliche Symptome hervorrufen wie die Grunderkrankung diese heilen oder lindern können. Die Auswahl dieser "Arzneien" ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Dazu wurden im Laufe der Jahrhunderte sogenannte Repertorien angelegt. Dies sind im wesentlichen grosse Tabellenwerke, die jeder Krankheit ein oder mehrere homöopathische Arzneimittel zuordnen, mit denen dann behandelt wird.
| Repertorium mit einigen Globuli |
Die Homöopathie wendet dieses Prinzip allerdings für alle Krankheiten an. Hahnemann kannte zu seiner Zeit noch sehr wenige, aber seit dieser Zeit wurden die Repertorien immer weiter verfeinert und vervollständigt und für neue Krankheitsbilder angewendet.
Wie widersinnig dieses Verfahren ist wird schnell deutlich, wenn man mal etwas anderes behandelt als Schnupfen oder Allergien. Denn dieses Prinzip gilt nach Hahnemanns Lehre ja für alle Krankheiten. Behandeln wir also mal die verstrahlten Arbeiter von Fukushima homöopathisch. Ursache der Strahlenbelastung sind hochwahrscheinlich radioakltive Isotope aus dem Reaktorkern und dessen Zerfallsreihen. Wir behandeln also radioaktives Jod-131 mit was? Genau, mit radioaktivem Jod-131 oder einem anderem Isotop. Hier übrigens käuflich erhältlich. Und was jetzt? Lieber homöopathisch behandeln, oder doch eher mit einer banalen konventionellen Jodtablette. Fragt euch selbst, was euch sinnvoller erscheint. Hahnemanns Prinzip gilt auch hier, es gilt für ALLE Krankheiten.
Homöopathie wird von breiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert, wenn es um alltägliche Krankheiten geht. Aber wenn es ernster wird, kehrt man doch lieber zu Mama zurück. Warum akzeptiert man ein alternatives Prinzip für eine Alltagserscheinung, für eine gefährliche Krankheit jedoch nicht? Das Vertrauen ist wohl nicht groß genug (gottseidank). Warum das Ähnlichkeitsprinzip eigentlich wirken soll, dafür bleiben die Homöopathen auch eine Erklärung schuldig, die überprüfbar wäre.
Nun, die Homöopathen haben schnell erkannt, das sie ihre Patienten ziemlich sicher mit so einer Behandlung umbringen. Das trägt nicht gerade zur Akzeptanz in der Bevölkerung bei. Also, was tun. Damit kommen wir zum zweiten Prinzip der Homöopathie.
2. Potenzierung
| Schema einer C-Potenzierung |
Die Homöopathen behaupten, jede Verdünnungsstufe erhöht die Wirksamkeit der "Arznei". Die Wirksamkeit der Substanz soll auf das Verdünnungsmittel übertragen werden. Warum das so sein soll, wissen nur die Homöopathen selbst. Gerne wird dazu einmal die Quantenphysik bemüht. Also etwas wovon die Homöopathen wissen, das die Patienten in der Regel keine Ahnung davon haben. Sie bleiben schlicht eine Erklärung schuldig. Sie erklären NICHTS!
Wer nichts weiß, muss alles glauben! Marie von Ebner-Eschenbach
Wem wollt Ihr glauben?
Dem gebildeten Leser sind diese Fakten lange bekannt, ich erzähle also nichts neues. Es erstaunt mich nur immer wieder, wie man unvereinbare Behandlungsmethoden mischen kann. Für Allergien Homöopathie, für Vorsorgeuntersuchungen Schulmedizin. Was man immer wieder hört, unabhängig vom Bildungsgrad der befragten Person: Mir hat es hierbei oder da und dort geholfen. Es gilt ja: Wer heilt, hat Recht! Oder? An Homöopathie glauben heisst, das Prinzip von Ursache und Wirkung zu negieren. Wenn ich heute nicht richtig aufesse und morgen regnet es, dann würde ich niemals einen Zusammenhang vermuten. Wenn ich heute ein homöopathischen Arzneimittel (wo nachweislich (oder vielmehr unnachweisbar) nichts drin ist) nehme und morgen sind die Magenschmerzen weg, dann hat das natürlich einen Zusammenhang, obwohl es niemand schlüssig erklären kann.
| Bilder in Blogposts erhöhen die Lesbarkeit. |
Meiner Meinung nach ist die Homöopathie nur ein weiteres Beispiel dafür, das naturwissenschaftliche Prinzipien von breiten Teilen der Bevölkerung schlicht nicht verstanden werden, entweder aus Ignoranz oder weil die interlektuelle Kapazität fehlt. Ich will hier nicht in Kulturpessimismus verfallen, aber es macht mich schon sehr traurig, wie wahnsinnig weit verbreitet dieser Schwachsinn ist. Mit naturwissenschaftlichen Methoden kommt man aus Sicht der Homöopathie auf jeden Fall nicht weiter. Die Wirkung ist weder zu belegen, noch zu falsifizieren. Man kann sie nur aus sich selbst erklären. Das man dabei die gesamte Physik, Biologie und Chemie für ungültig erklärt nimmt man in Kauf. Versteht ja eh keiner. Aus Sicht der Naturwissenschaft kann man allerdings zweifelsfrei belegen, das sie nicht wirkt und nichts erklärt.
Fazit - Heilung aus Hundekot
Ich weiß das dieser Artikel nichts bahnbrechend neues berichtet, aber es war mir wichtig meine Meinung dazu einmal grundsätzlich darzulegen und schriftlich festzuhalten. Ich lehne reißerische Auseinandersetzungen mit diesem Thema wie hier ab, deswegen lieber als Blogpost. Wer es bunter mag, kann sich hier darüber informieren, aus was homöopathische Grundsubtanzen alles bestehen. Unter Umständen braucht man allerdings einen starken Magen dafür.
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