Montag, 29. August 2011

Wie man bei Ryanair richtig eincheckt...


Auf meinem Weg in den Urlaub nach Finnland habe ich diesmal einen Flug bei RyanAir von Bremen nach Tampere gebucht. 
Abflug 6:30 Uhr Ortszeit, Ankunft 9:30 Ortszeit, reine Flugzeit 2 Stunden. 
Ich kam also um ca. 5:00 Uhr am Flughafen an um einzuchecken. Und dann: DAS GRAUEN! 90 Minuten bevor das Flugzeug abhob betrat ich das Flughafengelände und 80 Minuten lang stand ich in irgendwelchen Schlangen und hielt irgendwelchen Leuten meine Bordkarte unter die Nase. Das nervt gewaltig. Wie kann man diesen Prozess also beschleunigen? Mir ist klar, das die Prozedur von Fluglinie zu Fluglinie unterschiedlich ist, aber einige generelle Tipps kann man schon geben.
Also: Mal chronologisch!

  1. Man gibt sein zusetzliches aufgegebenes Gepäck am Gepäckschalter ab: Schlange 30 Minuten.
  2. Man stellt sich in die Schlange für die Kontrolle des Handgepäcks: 30 Minuten.
  3. Man stellt sich in die Schlange für die Personenkontrolle: 10 Minuten 
  4. Man stellt sich im Duty-Free-Bereich in die Schlange für das tatsächliche Boarding: 20 Minuten.
55 x 40 x 20 cm bei 10kg Maximalgewicht
Was sollte man also tun? Zunächst einmal: Unter keinen Umständen zusätzliches Gepäck aufgeben! Stattdessen das maximale aus dem Handgepäck rausholen und nur damit reisen. Wie man rechts sieht passt da ordentlich was rein. Wie man einen Koffer ordentlich packt kann man hier sehr gut sehen. Wer nicht gerade 5 Wochen verreist braucht nicht mehr als in das Handgepäck passt. So umgeht man also Punkt 1 vollständig: Zeitersparniss 30 Minuten!
Punkt 2 kann man nicht wirklich umgehen, aber immerhin kann man die Kontrolle verkürzen wenn man sich an Abmessungen und Maxmalgewicht hält. RyanAir ist sehr genau dabei. Jeder Koffer wird daraufhin kontrolliert. Versagt man hier heisst es zurück auf 1! Während dieser Kontrolle wird der Inhalt des Koffers nicht geprüft, es geht nur um Abmessungen und Gewicht. 
Punkt 3 ist die eigentliche Personen- und Gepäckkontrolle mit Metalldetektor. Schuhe ausziehen, Gürtel abmachen, Hosentaschen leermachen und Laptops und anderes Gerät alles in die Plastikwannen packen. Möglichst keine Nippelringe oder Prinz Alberts tragen, dann ist man da in 5 Minuten durch.
Bei Punkt 4 unbedingt das Priority-Boarding buchen. Das kostet 5 Euro mehr hat aber diverse Vorteile. Erstens kommt man zuerst auf den Flieger. Man umgeht damit 20 Minuten Boardingschlange. Da es bei RyanAir keine reservierten Sitzplätze im Flugzeug gibt heisst es "First come - first serve". Man will sich wegen der sardinenbüchsenhaften Verhältnisse im Flieger in die erste Reihe setzen. Dadurch hat man maximale Beinfreiheit und ausserdem kommt man wegen der Nähe zum Ausstieg als erstes aus.
Wer all diese einfachen Tipps beherzigt kann das Boarding bei RyanAir auf ca. 30 Minuten verkürzen und kommt nicht total fertig am Urlaubsort an.

Wenn man alles richtig gemacht hat, sieht das Ergebniss dann so aus:







In the Air - MyVideo Fundstücke:

  • Weiterführende Literatur hier.


Sonntag, 28. August 2011

Let p be an odd prime.


Der Urlaub ist ja bekanntermaßen eine Zeit in der man in Muße und mit dem nötigen Abstand zum täglichen Geschäft die Seele baumeln lassen und einmal grundsätzlich über die Dinge des Lebens nachdenken kann. Der Bildungsbürger tut dies mitunter mit der entsprechenden Lektüre, die ihm hoffentlich neue Horizonte eröffnet und andere Sichtweisen nahebringt.
Was für ein hohes Glück, das ich ein solch literarisches Kleinod der Sachbuchliteratur, das mir rechtzeitig von befreundeter Seite zukam, in der Abgeschiedenheit des mittelfinnischen borealen Nadelwaldes intensiv studieren konnte. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich mich dadurch hauptsächlich mit Mathematik beschäftigt und muss meine ursprüngliche Einschätzung der Disziplin ergänzen und in Teilen revidieren.
Mathe, ausnahmsweise mal spannend
Es handelt sich um das Buch "Fermats letzter Satz: Die abenteuerliche Geschichte eines mathematischen Rätsels." von Simon Singh. 
Im Jahre 1637 formulierte der französische Hobbymathematiker und hauptberufliche Strafrichter Pierre de Fermat

„Es ist unmöglich, einen Kubus in zwei Kuben zu zerlegen, oder ein Biquadrat in zwei Biquadrate, oder allgemein irgendeine Potenz größer als die zweite in Potenzen gleichen Grades. Ich habe hierfür einen wahrhaft wunderbaren Beweis gefunden, doch ist der Rand hier zu schmal, um ihn zu fassen.“

oder, mathematisch kürzer:
Ein Gleichung der Form  an + bn = cn mit a,b,c \in \mathbb{N} besitzt für keine natürliche Zahl n > 2 eine Lösung.

358 Jahre lang haben sich die besten Mathematiker der Welt an dieser simplen Formulierung, die jeder Unterstufenschüler versteht, die Zähne ausgebissen. Die mönströse Schwierigkeit des Beweises von Andrew Wiles aus dem Jahre 1995 (über 100 Seiten!) wird nur noch übertroffen durch die totale Irrelevanz des eigentlichen zahlentheoretischen Problems für den alltäglichen Gebrauch.
Aber halt, bevor ich hier wieder Mathematikerbashing betreibe muss ich eine Lanze brechen für die enorme Leistung, die hier vollbracht wurde und die in diesem Buch in extenso beschrieben ist. Durch die vergangenen Jahrhunderte hatte jeder Mathematiker von Rang, sei er Zahlentheoretiker oder nicht, eine Meinung dazu. Das Buch streift die Lebensgeschichten vieler berühmter Mathematiker wie z.B. von Évariste Galois, dessen kurzes Leben inmitten der französischen Revolution locker den Stoff für einen abendfüllen Spielfilm bieten würde.
Insgesamt eine äußerst interessante Lektüre, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Mathematisches Vorwissen braucht man dazu kaum. Jeder der Mathematik seit seiner Schulzeit für eine entsetzliche Gehirnfolter hält, bekommt einen völlig neuen Blick darauf.


Dienstag, 2. August 2011

Sapere aude!


Ich möchte hiermit formal den Beginn meines "Urlaubs" in Finnland ankündigen. Er beginnt am 4.8. um 6:30 Uhr und endet voraussichtlich am 19.8 gegen mittag.
Urvater aller Gutmenschen
Im folgenden möchte ich darlegen, warum ich ihn mir verdient habe: In den vergangenen Tagen, ja Wochen (*hust*) habe ich mich mit einer Staatsexamensarbeit beschäftigt, deren Korrektur ich die fromme Schwachheit hatte zu versprechen. Vermutlich um mich vor Bildungsbürgerinnen und ihren Töchtern angenehm zu machen. Das ist meine dritte Korrektur einer Staatsexamensarbeit insgesamt, aber diesmal war alles sehr nervenaufreibend. 
Dieses Drama aus dem 18.Jahrhundert, um das es in der Arbeit ging, und natürlich wissen bereits jetzt alle meine Leser, um welches es sich handelte, ist das Urei aus dem alle Gutmenschen gekrochen sind. Rege weisen Sie mit glasigen Augen auf dieses deistische Machwerk der Gleichmacherei. 
Ich polierte also diese Arbeit bis sie glänzte wie ein Opal, der hundert schöne Farben spielte. Aber mit Germanisten zu diskutieren ist ja wie mit jerusalemer Juden zu schachern. Diese in den Geisteswissenschaften üblichen endlosen Redundanzen: "In meiner Arbeit geht es....", " im Zentrum meiner Arbeit steht", "Zentraler Punkt meiner Arbeit ist"! Da wird man als Naturwissenschaftler einfach wahnsinnig. Warum soll ich auf Seite 137 wiederholen, was ganz klar schon auf Seite 16 steht!
Franz von Leydig, 1821-1908


Stellt euch vor, man muss mit diesen Menschen darüber diskutieren, das eine Fußnote wie "Sophokles (2001)" sinnfrei ist. Die finden ernsthaft, das der Hinweis auf die Erstaufführung von Antigone im Jahre 442 v.Chr. irgendwie komisch ist und gar nicht geht. 
Ich war bei meiner Promotion stolz darauf (und bin es immer noch) das die älteste Quelle aus dem Jahr 1850 stammte. Ich habe mir weiland in Göttingen einen ganzen Nachmittag Zeit genommen sie in der Otto-Hahn-Bibliothek am Faßberg im Original zu studieren. Der Bibliotekar holte sie mit weißen Handschuhen aus dem Panzerschrank der Schatzkammer! 
Franz von Leydig: Zur Anatomie der männlichen Analdrüsen der Säugetiere. Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. 1850. Band 2, Seite 1-57! Germanisten hören jetzt wahrscheinlich nur ANAL! 
In gleichsam mäeutischer Gesprächsführung wurde der Authorin also jede Änderung am Text abgerungen. Und diese Bildungshuberei durch den inflationären Gebrauch von  Fremd- und Lehnwörtern! Der nächste logische Schritt ist wohl die Verwendung von Akronymen wie LOL und ROFL. Freunde, die deutsche Sprache ist auf den Hund gekommen, wenn selbst Germanisten sie auf Orwells Altar der totalitären Neusprech-Nazis opfern. 
Irgendwann klingelte es mir nur noch in den Ohren und ich wollte dem/der Urheber/in (fundamental-feministischer Einfluß ist den dschihadistischen Geisteswissenschaftlern ja nicht fremd) in den Worten des Braunschweigers, die er dem großen Kurden Ṣalāḥ ad-Dīn Yūsuf ibn Ayyūb in den Mund legte, zurufen: "Ich hör, ich höre! – Komm mit deinem Märchen Nur bald zu Ende. – Wird's?"
Die Anmaßung dieses hinterwäldlerischen Sachsen Ṣalāḥ ad-Dīn zu bevormunden. Man möchte ihm mit den Schlußworten der wunderbaren BBC-Dokumentation "Saladin and Richard Lionhard" zurufen:

Putting aside sins. If anyone could give Saladins noble qualities to King Richard and his to Saladin then the whole world could not furnish two such princes.

Andererseits, wie ein zeitgenössischer irischer Barde so treffend dichtete:

There is only greed and evil in the men who fight today. The song of the Crusader has long since gone away.
 In diesem Sinne: Jerusalem is lost!