Ich möchte der geneigten Leserschaft mitteilen, das ich gut
in Bad Bramstedt angekommen bin. Die Unterbringung ist wirklich vorzüglich
(gemessen am Standart meines Appartments) und das Essen ist reichlich, gut und
kostenlos. Ich esse besser als Ihr, das ist mal sicher. Man kann sich das wie ein Mittelklasse-Hotel
vorstellen, nur das eben alles kostenlos ist. Es gibt ein Schwimmbad, eine
Turnhalle und *trommelwirbel* ein Sauna. Die Aufnahme und das organisatorische
Prozedere zieht sich allerdings hin. Zunächst gab es eine psychologische und
eine medizinische Aufnahme (jeweils eine Stunde). Vorher gab es an der
Rezeption einen Fragebogen auszufüllen, der seinen Weg aber nicht in die
Station gefunden hatte, so dass ich viele Dinge doppelt erzählen musste. Das psychologische Aufnahmegespräch verlief
recht unspektakulär, es ist ja auch gefühlt das hundertste Mal, das ich
einem Mediziner oder Therapeuten die
Symptomatik erläutere (ich kanns selbst nicht mehr hören).
| häusliche Idylle in Bad Bramstedt |
Dann folgte das medizinische Aufnahmegespräch und das hatte
es wirklich in sich. Untersucht hat mich eine junge Ärztin, sehr nette
Erscheinung. Anamnese, Vorerkrankungen, blablabla. Und da dachte ich mir:
Mädel, zeig mir mal was Du drauf hast! Ich stehe ja auf selbstbewusste Frauen,
die was im Kopf haben. Also sagte ich ihr, das ich bei meinem Hausarzt zunächst
somatisch untersucht wurde und dabei, natürlich, die Schilddrüsenfunktion
getestet wurde, weil dieses Organ eine zentrale Rolle im Zusammenhang mit
psychischen Erkrankungen spielt. Das kann soweit gehen, das man schwerste
psychische Erkrankungen einfach durch die Gabe von Pillen komplett heilen kann.
Logisch das man da zunächst einmal nachschaut. Vielleicht gibt’s ja ne einfache
Lösung für das Problem. Ich sagte Ihr also, das eine subklinische Fehlfunktion
festgestellt wurde, ich mich aber nicht mehr erinnern kann welche, nur das ich
weder Hashimoto noch Basedow habe und auch rein organisch in situ nichts
auffällig sei. Also bleibt eine Über- oder eine Unterfunktion. Der Arzt hätte mir aber L-Thyroxin
verschrieben. Habe ich jetzt nun eine Über- oder eine Unterfunktion?
Diese Frage ist für einen Mediziner eine reine Wissensfrage.
Und sie ist einfach, sehr einfach! Das ist ungefähr so, als ob ich einen
Mathematiker nach den binomischen Formeln frage oder einen Biologen nach dem
Begründer der Evolutionstheorie. Jaja, vielleicht macht der Mathematiker
Stochastik und der Biologe Biophysik und der Mediziner behandelt
Tropenkrankheiten aber eine Ärztin, die auf einer psychatrischen Station
arbeitet und eine Hyperthyreose nicht von einer Hypothyreose unterscheiden
kann. WTF!
Andererseits? Who gives a flying fuck! Egal, also erstmal rein in die Sauna. Nette Unterhaltung mit netter junger Dame geführt. Soweit, so gut. Die anderen schauen mich an wie ein Auto. Dame geht, ich: "Was is denn?" "Junger Mann, schaun Sie mal im ICD-10-Katalog unter F52.7 nach."
Ich bin echt ein naives Schaaf, wirklich! Naja, andererseits, ich hab ja Erfahrung mit dem Krankheitsbild. So, das wars erstmal von hier.
Mein vordringlichstes Bestreben ist es nun zunächst einen Geisterschein zu bekommen. Wer weiß, was das ist oder hat eine Vorstellung davon, was das sein könnte? Eines der wenigen Dinge, die wirklich schlecht zu googlen sind. Und warum könnte ein Geisterschein im Zusammenhang mit Damen, die an F52.7 leiden wichtig sein?
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