Ich möchte hiermit formal den Beginn meines "Urlaubs" in Finnland ankündigen. Er beginnt am 4.8. um 6:30 Uhr und endet voraussichtlich am 19.8 gegen mittag.
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| Urvater aller Gutmenschen |
Im folgenden möchte ich darlegen, warum ich ihn mir verdient habe: In den vergangenen Tagen, ja Wochen (*hust*) habe ich mich mit einer Staatsexamensarbeit beschäftigt, deren Korrektur ich die fromme Schwachheit hatte zu versprechen. Vermutlich um mich vor Bildungsbürgerinnen und ihren Töchtern angenehm zu machen. Das ist meine dritte Korrektur einer Staatsexamensarbeit insgesamt, aber diesmal war alles sehr nervenaufreibend.
Dieses Drama aus dem 18.Jahrhundert, um das es in der Arbeit ging, und natürlich wissen bereits jetzt alle meine Leser, um welches es sich handelte, ist das Urei aus dem alle Gutmenschen gekrochen sind. Rege weisen Sie mit glasigen Augen auf dieses deistische Machwerk der Gleichmacherei.
Ich polierte also diese Arbeit bis sie glänzte wie ein Opal, der hundert schöne Farben spielte. Aber mit Germanisten zu diskutieren ist ja wie mit jerusalemer Juden zu schachern. Diese in den Geisteswissenschaften üblichen endlosen Redundanzen: "In meiner Arbeit geht es....", " im Zentrum meiner Arbeit steht", "Zentraler Punkt meiner Arbeit ist"! Da wird man als Naturwissenschaftler einfach wahnsinnig. Warum soll ich auf Seite 137 wiederholen, was ganz klar schon auf Seite 16 steht!
| Franz von Leydig, 1821-1908 |
Stellt euch vor, man muss mit diesen Menschen darüber diskutieren, das eine Fußnote wie "Sophokles (2001)" sinnfrei ist. Die finden ernsthaft, das der Hinweis auf die Erstaufführung von Antigone im Jahre 442 v.Chr. irgendwie komisch ist und gar nicht geht.
Ich war bei meiner Promotion stolz darauf (und bin es immer noch) das die älteste Quelle aus dem Jahr 1850 stammte. Ich habe mir weiland in Göttingen einen ganzen Nachmittag Zeit genommen sie in der Otto-Hahn-Bibliothek am Faßberg im Original zu studieren. Der Bibliotekar holte sie mit weißen Handschuhen aus dem Panzerschrank der Schatzkammer!
Franz von Leydig: Zur Anatomie der männlichen Analdrüsen der Säugetiere. Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. 1850. Band 2, Seite 1-57! Germanisten hören jetzt wahrscheinlich nur ANAL!
In gleichsam mäeutischer Gesprächsführung wurde der Authorin also jede Änderung am Text abgerungen. Und diese Bildungshuberei durch den inflationären Gebrauch von Fremd- und Lehnwörtern! Der nächste logische Schritt ist wohl die Verwendung von Akronymen wie LOL und ROFL. Freunde, die deutsche Sprache ist auf den Hund gekommen, wenn selbst Germanisten sie auf Orwells Altar der totalitären Neusprech-Nazis opfern.
Irgendwann klingelte es mir nur noch in den Ohren und ich wollte dem/der Urheber/in (fundamental-feministischer Einfluß ist den dschihadistischen Geisteswissenschaftlern ja nicht fremd) in den Worten des Braunschweigers, die er dem großen Kurden Ṣalāḥ ad-Dīn Yūsuf ibn Ayyūb in den Mund legte, zurufen: "Ich hör, ich höre! – Komm mit deinem Märchen Nur bald zu Ende. – Wird's?"
Die Anmaßung dieses hinterwäldlerischen Sachsen Ṣalāḥ ad-Dīn zu bevormunden. Man möchte ihm mit den Schlußworten der wunderbaren BBC-Dokumentation "Saladin and Richard Lionhard" zurufen:
Putting aside sins. If anyone could give Saladins noble qualities to King Richard and his to Saladin then the whole world could not furnish two such princes.
Andererseits, wie ein zeitgenössischer irischer Barde so treffend dichtete:
There is only greed and evil in the men who fight today. The song of the Crusader has long since gone away.In diesem Sinne: Jerusalem is lost!

















