Donnerstag, 24. März 2011

Truthahn, eiskalt!

Für den größeren Teil der netzaffinen Leserschaft undenkbar, ich bin seit zwei Tagen offline. Mein Zugang zum Internet beschränkt sich auf gelegentliche Besuche des Hinterzimmers meines Stammkiosks, wo ich zwischen Jugendlichen, hmmm sagen wir mal mit Migrationshintergrund, Mails checke und wie jetzt auch mal ne Seite bloggen kann. Unfassbar, Sarazins türkische Kopftuchmädchen frisieren und schminken sich hier. Geht wohl zuhause nicht, weil Pappa den anatolischen Bauern schon ausgesucht und keine Ahnung hat das die Tochter sone Schlampe ist. Onlinepoker und Flirtchats, das ist so deren Zeitvertreib hier. Die  Gespräche haben ein Niveau, das einfach unaussprechlich ist. Gibt offenbar nur Hurensöhne und Schlampen hier. Wortschatz maximal 500 Wörter. Ich kann also in Ihrer Anwesenheit ruhig über sie herziehen, sie können eh nicht vernünftig lesen.
Was fehlt mir eigentlich am meisten? Triebabfuhr? aktuelle Nachrichtenmeldungen? Spiele? Die Antwort ist recht klar, der Phantomschmerz kreist um die Abgeschnittenheit von jeglicher Information. Das trifft mich echt hart. Doppelt hart, weil ich nichtmal wen anrufen kann. Alle Telefonnummern sind in meinem Handy und das ist in Osnabrück vergessen worden.
Also was tun? Ich kram also das Telekom Entertainment Paket mit Reciever und allem drum und dran aus, was seit ungelogen zwei Jahren originalverpackt im Schrank steht. Dann also fernsehen. KULTURSCHOCK! Mit Fernsehen hatte ich in den letzten 5 Jahren nur bedingt zu tun. Eigentlich nur wenn ich bei meinen Eltern oder anderswo zu Besuch war. Und dann wurde meistens nur Sport und spezielle Sendungen gesehen (schließlich bestimme ich nicht über das Programm). 
Mit dem Abstand von 4 Jahren kriege ich nun die Entwicklung des deutschen Fernsehens demonstriert. Unfassbar! Ich habe 78 Programme (von 200 oder so möglichen) und in jedem läuft der absolute Mist. Ok, für euch vielleicht nicht neues, aber für mich eine neue Erfahrung, die mich in tiefen Kulturpessimismus verfallen ließ.
Also ab in die Videothek für eine kleine Triebabfuhr oder einen guten Film. Oh mein Gott! Das Grauen, das Grauen! Ich ging mit dem Plan hinein, mir aus aktuellem Anlass einen Film mit Elizabeth Taylor und Richard Burton anzusehen. "Cleopatra" und "Wer hat Angst vor Virginia Wolf?" kamen mir in den Sinn. Also fragte ich danach. Ein kaugummikauendes Wesen mit hautengen Leggins aber mindestens 20 Kilo zuviel (natürlich mit Migrationshintergrund) schaute mich nur blöd an und fragte: Elisabeth wer? Richard wer? Das war zuviel das guten. Der Frust musste raus. Also rein in die Hardcoreabteilung und mir einen Film mit dicken, kaugummikauenden, jungen Frauen (natürlich mit Migrationshintergrund und Leggins) auf dem Titelbild ausgeliehen. Aber leider keine Chance, sie hats nicht begriffen. Also geknickt nach Hause geschlichen. Selbst wenn man mal frauenfeindlich sein will, nichtmal das klappt.

Ich hoffe die Entzugserscheinungen lassen bald nach.

Mittwoch, 16. März 2011

Kachelmann und ich


Jörg Kachelmann (mutmaßlich)
Jörg Andreas Kachelmann (ja das ist der) ist ein recht fleissiger Twitterer und beobachtet die Situation rund um den Kernreaktor in Fukushima sehr aufmerksam. Dabei schickt er regelmässig Tweets über die aktuelle Wetterlage am Standort, immer im Zusammenhang mit den dort gemessenen Werten für die Energiedosis. 

Hauptquelle dafür ist das japanische Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT). Dieses Ministerium betreut das nationale Messnetz für Strahlenbelastung und übernimmt somit die Aufgabe unseres Bundesamtes für Strahlenschutz, was ein ähnliches Messnetz betreibt (hier).

Das japanische Messnetz hört auf den schönen Namen  System for Prediction of Environment Emergency Dose Information (SPEEDI) und ist ein steter Quell der verlässlichen Information, wenn man einmal davon absieht, das die besonders betroffenen Präfekturen Fukushima mit 23 Messstationen und die benachbarte Präfektur Miyagi mit 7 Messtationen aus dem System ausgekoppelt wurden und keine Informationen liefern. 

Herr Kachelmann vermutet Zensur, ich auch. Obwohl ich der Meinung bin das Regierungen ihren Bevölkerungen nicht alles sagen müssen was sie wissen, jedoch wenn sie etwas sagen, es der Wahrheit entsprechen muss. 

Nun versteht Herr Kachelmann unbenommen etwas von Meterologie und seine Begeisterung für dieses Thema wird aus seinen Tweets auch überdeutlich. Der Vollständigkeit halber, ohne darauf rumreiten zu wollen, einen Universitätsabschluss hat er in diesem Fach nicht. Er ist also ein überaus erfolgreicher Hobbymeteorologe (in Ermangelung einer anderen Bezeichnung).

Seit einiger Zeit nun verfolge ich seine Tweets, die bezüglich der meteorologischen Aussagen auch wirklich informativ sind. 
Darstellung der maximalen Energiedosis japanischer Präfekturen
Leider hält er sich offensichtlich auch für einen Experten auf dem Gebiet des Strahlenschutzes. So stellt er regelmässig Mutmaßungen über die Gefährdung der Bevölkerung an und bezieht sich dabei häufig auf die Messwerte von SPEEDI der Präfektur Ibaraki, die in den vergangenen Tagen häufig erhöhte Werte aufwies. 

Diese werden als Energiedosis pro Stunde angegeben. In diesem Fall als Nano-Grey pro Stunde. Dies ist nicht zu verwechseln mit der Organdosis die in Sievert angegeben wird. Beide Maßeinheiten messen die Energie, die an einen Körper abgegeben wird bezogen auf die Masse desselben.
Das Sievert ist jedoch für biologische Zusammenhänge interessanter, weil es die verschiedenen Energiedosen mit einem Gewichtungsfaktor multipliziert, der noch verschiedene Strahlungsarten berücksichtigt. Der Wert der Organdosis pro Zeiteinheit ist also meistens höher als Wert der Energiedosis pro Zeiteinheit. Das nur als kurze Information, wenn in den Medien mit Sievert (meistens Millisievert) hantiert wird.

Dieser Zusammenhang ist Herrn Kachelmann vermutlich unbekannt, viel interessanter ist allerdings die Tatsache, das er das Strahlungsrisiko völlig falsch einschätzt. Eine Energiedosis von 2000-5000 nanoGrey/Stunde bezogen auf den Normalwert von 50-100 nanoGrey/Stunde, wie sie in den letzten Tagen in der Präfektur Ibaraki gemessen wurde ist für ihn und die breite Öffentlichkeit eine alarmierende Erhöhung der Radioaktivität um das 50 bis 100fache.

Leider wird das niemals ins rechte Licht gerückt. Ich habe also mal ein wenig rumgerechnet. All die Touristen und Ausländer, die jetzt aus Japan flüchten nehmen nämlich während ihres Fluges eine Energiedosis von ca. 25000 nanoGrey/Stunde auf. Von Piloten und Flugbegleitern möchte ich in diesem Zusammenhang gar nicht reden. Sie sind dieser Strahlenbelastung während ihres Arbeitsalltags permanent ausgesetzt.
Was wenige hier wissen, habe ich in fernster Vergangenheit als Wissenschaftler die Sachkunde im Umgang mit radioaktiven Stoffen erworben und bin zum Beispiel berechtigt ein Isotopenlabor zu leiten. Also habe ich mich entschlossen, promoviert wie ich bin, meinem inneren Trieb folgend und aus schierer Fürsorge für die 4300 Follower von Herrn Kachelmann, ihm mit einem Tweet Aufklärung und Bildung zu schenken.
Und siehe da, der schweizer Bürger Kachelmann ist sich nicht zu schade mir zu antworten. 

@ Das ist eine hochinteressante Vergleichsrechnung, wird aber die Menschen auf/mit kontaminierten Böden/Pflanzen weniger...
...interessieren, was Ihnen so in der business class für kurze Zeit und nicht so oft und strahlungsfreiem Catering als Erwachsener passiert.
Und es geht auch nicht darum, dass die 50fach erhöhten Werte in Hitachinaka dort jemanden tot umfallen lassen. Es geht darum, dass man...
...bei soviel Wind befürchten muss, dass die Menschen 100 km näher zum AKW sehr andere Werte haben, die auch den Flugreisenden beunruhigen.

4 Antwort-Tweets, manman. Ja, ich möchte soweit gehen ihn jetzt meinen Freund zu nennen. Wenn ich das nächste Mal in der Business-Class das strahlungsfreie Catering genieße (vielleicht schon bald auf einem Flug zu einer Justizvollzugsanstalt in der Nähe Mannheims), werde ich ihm vielleicht wieder twittern.



Dienstag, 15. März 2011

Mehr Atomkraftwerke - JETZT!


Ein nicht ganz ernst gemeinter Beitrag zur gegenwärtigen Debatte um die Sicherheit von Atomkraftwerken.

Wenn uns die Ereignisse um den Störfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 eines zeigen, dann das die Erzeugung von Atomenergie sicher ist! Ich werde im folgenden einmal logisch und wissenschaftlich darlegen, was dort genau passiert ist und warum die Medienberichte gnadenlos aufgeblasen sind. Fachbegriffe, ohne die ich in diesem Artikel leider nicht auskommen kann, werde ich mit Links unterlegen, damit man einfach nachlesen kann. Leider würde es den Umfang des Artikels sprengen alles im Detail zu erklären. Immer von Vorteil ist es natürlich, wenn man in der Schule im Physikunterricht nicht gefehlt hat. 

Die Ausgangsituation

grafische Darstellung des Reaktorblocks in Fukushima
Das Kernkraftwerk Fukushima I ist mit 6 Reaktorblöcken eines der größten in Japan. Der kommerzielle Betrieb startete am 26.März 1971. Das macht es auch zu einem der dienstältesten des Landes. Alle Reaktorblöcke sind Leichtwasserreaktoren, die nach dem Bauprinzip eines Siedewasserreaktors arbeiten. Ohne weiter auf das Bauprinzip einzugehen möchte ich noch erwähnen, dass dies bedeutet, dass hier im wesentlichen stinknormales Wasser sowohl als Kühlmittel, als auch als Moderator eingesetzt wird. Das unterscheidet die Anlage schon einmal grundlegend von Reaktorblock 4 des stillgelegten Kernkraftwerks Tschernobyl, der ein gasgekühlter, graphitmoderierter Reaktor war. Diese beiden Bauweisen in einem Atemzug zu nennen ist ungefähr so, als wollte ich ein Fahrrad mit einem Ferrari vergleichen. Es ist technisch unmöglich, das es bei einem Siedewasserreaktor zu einer ähnlichen Freisetzung von Radioaktivität kommen kann wie vor 25 Jahren in Tschernobyl. Warum, wird mit der weiteren Lektüre klar werden hoffe ich. 

Das Erdbeben

Karte der Erdstöße von 11. bis zum 14.März
Am Freitag, den 11.März 2011 um 5:46:23 koordinierter Weltzeit ereignete sich das fünftstärkste, jemals gemessene Erdbeben. Das Epizentrum lag etwa 370 km nordöstlich von Tokio und 130 km östlich von Sendai. Das Hypozentrum lag in 32km Tiefe. Das United States Geological Survey gab eine Momenten-Magnitude von 9,0 Man (im Volksmund Richter-Skala genannt). Nur um einmal die unvorstellbare Gewalt dieses Ereignisses zu verdeutlichen: Die japanisches Hauptinsel wurde durch das Beben um 2,4 Meter versetzt und die Erdachse um 10cm verschoben. Künftig dreht sich die Erde um 1,24 Mikrosekunden schneller um ihre Achse. Innerhalb weniger Sekunden wurde eine Energie freigesetzt, die etwa 38000 Atombomben der Hiroshima-Klasse entspricht. Die Energieemission war 7mal stärker, als es die Bauweise des Reaktors eigentlich zulässt, der für eine Momenten-Magnitude von 8,2 Mw konzipiert ist. Und was ist passiert? Nix, gar nix! Dieser 40 Jahre alte Reaktorblock hat den Erdstoß weggesteckt, als wäre gerade ein Sack Reis umgefallen. Ein unbeschreiblicher Triumph der Ingeneurskunst möchte ich hier mal erwähnen, weil es ja sonst niemand tut.

Innerhalb von Sekunden nach dem Beben, schneller als irgendein Mensch reagieren könnte, wurden die Reaktoren automatisch abgeschaltet und die Kettenreaktion der Uranoxid-Brennelemente wurde gestoppt. Jaja, jetzt kommen die Schlaumeier und sagen das man zwar die Kettenreaktion gestoppt hat, aber damit ist der Reaktor ja noch nicht sicher. Das stimmt, es wird ungefähr noch 3% Restwärme erzeugt (im Vergleich zu einem Reaktor, der unter Vollast läuft), die eine kontinuierliche Kühlung erfordern. Diese 3% sind es, um die sich die folgenden Probleme drehen. Leider wurde im Zuge des Erdbebens die Stromversorgung der Anlage und damit die Versorgung der Kühlpumpen mit Energie unterbrochen. 
Um im Bild zu bleiben, es sind 2 Säcke Reis umgefallen und nicht einer. Ein solcher "plant black out" ist der Standardfall jeglicher Krisenszenarien und Katastrophenübungen in und um Atomkraftwerke. Dementsprechend wird die Kühlung mehrfach redundant ausgelegt. Und, was geschah? Ohne Verzug und Fehlfunktion sprang das nächste Sicherheitssystem ein. Mehrere Dieselgeneratoren liefen an und übernahmen die Energieversorgung der Anlage. Dies lief ungefähr für eine Stunde so und Gott sah, das das Licht gut war.

Der Tsunami

graphische Darstellung der Ausbreitung der Tsunamiwelle 
Zu jener Zeit begab es sich, das der stärkste Tsunami seit 1100 Jahren, die Nordostküste der japanischen Hauptinsel Honschu mit voller Wucht traf. Und was passierte? Nix, gar nix! Nach wie vor trotzen die tapferen kleinen Reaktorblöcke den Naturgewalten. Wurden die Gebäude zerstört? Nein! Wurden die Reaktorkerne beschädigt? Nein! Allerdings, der Vollständigkeit halber, muss erwähnt werden, das die Dieselgeneratoren weggespült wurden und damit ihre Arbeit einstellten. Der dritte Sack Reis fiel um! Aber die Japaner sind ein fleißiges und kluges Völkchen und holten sich einfach einen neuen Sack Reis. Getreu nach dem Motto: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not! Das nächste Sicherheitssystem lief an. Ohne Fehlfunktion und zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk sprangen die Batterieaggregate für die zerstörten Dieselgeneratoren ein und gaben den Ingeneuren weitere 8 Stunden Zeit den Kühlkreislauf wiederherzustellen. 
Hier wird die Geschichte interessant. Denn ab jetzt muss der Mensch zum ersten Mal selbst entscheiden, denn die Zeit wird knapp. Jetzt konnten die Ingeneure und Kraftwerkstechniker zeigen, das sie in der Schule aufgepasst hatten und würdige Erben ihrer Väter waren, die dieses strahlende Beispiel menschlicher Erfindungskunst gebaut hatten. 

Drei Säcke Reis 

Jetzt kommt es drauf an, der Kühlkreislauf ist komplett ausgefallen, die Brennstäbe erzeugen aber nach wie vor Wärme, die irgendwie abgeführt werden muss. Sie werden heißer und heißer, was passiert nun? Zunächst einmal nix, gar nix! Ein weiterer Sack Reis fällt um. Egal, holt man den nächsten Sack Reis aus der Speisekammer. Genauer gesagt sind es drei Säcke. Die Brennstäbe aus Uranoxid sind ummantelt mit Zirkalloy, einer Metalllegierung, die zu 90% aus Zirkonium besteht und eine Schmelztemperatur von 2200°C aufweist (erster Sack Reis). Diese werden umspült von, jetzt ungekühltem, Wasser und sind eingeschlossen in einem Druckbehälter, der mehreren hundert Grad Celsius widersteht (zweiter Sack Reis).  Dieser Behälter, zusammen mit den Zuleitungen, Pumpen und Kühlwasserreserven ist hermetisch und luftdicht eingeschlossen in einer Hülle aus dem stärksten Stahl, den die Väter der Ingeneure auftreiben konnten (besonders dicker dritter Sack). Alles mit dem einen Ziel: Keine Radionuklide in die Umwelt zu entlassen. Dieser dritte Sack Reis ist umgeben vom Reaktorgebäude, das eigentlich nur die Aufgabe hat das Wetter draußen zu lassen. Und wie es das getan hat, heroisch wie Siegfried hat es Fafnir besiegt, der es mit Erdbeben und Tsunami einreißen wollte. 

Aber die Zeit arbeitet für die Ingeneure, mit jeder Minute kühlen die Brennstäbe weiter ab. Die Kettenreaktion ist unterbrochen, aber sekundäre Zerfallsreaktionen mit kurzlebigen Isotopen heizen ihre Umgebung weiter auf, bis sie am Ende ihrer Zerfallsreihen in stabilen Isotopen enden. Dieser Prozess nimmt einige Tage in Anspruch, danach kann man den Reaktor mit einem Fächer kühlen. Der Reaktorkern selber hat vier weitere unabhängige Kühlsysteme, die zudem auch noch redundant vorhanden sind, aber darauf will ich hier nicht eingehen. Sie befinden sich alle innerhalb des zweiten Sacks. Wenn Wasser verdampft und stark erhitzt wird, entsteht Wasserstoff innerhalb des Druckbehälters (zweiter Sack). Dieser Druck muss, wenn keine externe Kühlung vorhanden ist von Zeit zu Zeit abgelassen werden. Dazu gibt es im Reaktor 11! Druckablassventile (11fach redundant, die Japaner sind wirklich gründlich gewesen). Diese wurden von Zeit zu Zeit bedient, die Kerntemperatur betrug zu diesem Zeitpunkt 550°C. Also weit unter dem Schmelzpunkt des ersten Sacks Reis (Zirkalloy-Ummantelung).
Darstellung des Reaktorblocks 1 in Fukushima
 Dieses Gas (hauptsächlich radioaktiver Stickstoff und Edelgase) wurde zusammen mit dem Wasserdampf in das Reaktorgebäude entlassen. Die Halbwertszeit von radioaktivem Stickstoff ist extrem kurz, man hätte es also gleich nach draußen entlassen können, hat sich aber dafür entschieden es für einige Minuten im Reaktorgebäude zu belassen, damit der Zerfall es unschädlich macht, bevor man es ablässt. Das war ein Fehler! Es kam zu einer Knallgasreaktion und was dabei geschieht, weiß jeder aus dem Chemieunterricht. Ich kann förmlich sehen wie die greisen Väter ihren Kopf schütteln. Ein weiterer Sack war umgefallen. Unnötig. Aber die jungen Ingeneure waren vielleicht auch verunsichert durch die Pressemeldungen, die von Horror-Unfall, Tschernobyl und Atom-Super-Duper-Gau sprachen. Nicht zu vergessen die Tatsache, das sie alle auch Familien haben, die  in der ungeschützten Umgebung leben und nicht in sicheren Kernkraftwerken und draußen trieben Drachen ihr Unwesen.

The strength and terror of the Great Worm were now great indeed, and Elves and Men withered before him; and he came between the hosts of Maedhros and Fingon and swept them apart.                                                                                                                                                    The Silmarillion, "Quenta Silmarillion: Of the Fifth Battle: Nirnaeth Arnoediad".                                                                                                  

Aber es wurde heißer und heißer und die Zirkalloyummantelung begann zu schmelzen. Dies war der Zeitpunkt wo sich ein wenig Caesium 137 (Halbwertszeit: 30,17 Jahre) und Jod 131 (Halbwertszeit: 8 Tage) dem abgelassenen Wasserdampf hinzufügte, in die Umgebung abgegeben und auch gemessen wurde. Vornehmlich von der linken Ökopresse, die natürlich gleich aufheulte. Dies war die "Kernschmelze" von der überall die Rede war. Dabei ist nur ein weiterer Sack umgefallen (Zirkalloy).

Ulmo, King of the Seas, Lord of Water

Nin o cithaeglir lasto beth daer, rimmo nin Bruinen dan in ulaer.

Kraftwerksleiter bittet Ulmo um Hilfe
Nun wurde es Zeit die Vergebung der Valar zu erflehen, hatten doch die Noldor genug gelitten und unsere heldenhaften Ingeneure wandten sich an Ulmo, das er ihnen Meerwasser schicken möge und lindern ihren Schmerz, denn heiß brannten die Silmarilli im Reaktorkern und ihr Feuer verzehrte alle Säcke Reis, die sie noch übrig hatten. 

Also fluteten sie den Reaktorkern mit Meerwasser und Borsäure als Neutronenfänger und endlich wurde das Feuer gelöscht und das dritte Zeitalter konnte beginnen.

Und was ist jetzt die Moral von der Geschicht? Alles, wirklich alles lief genauso ab, wie es die Väter erdachten. Angesichts eines Tsunamis, der seit 1100 Jahre der stärkste war und eines Erdbebens, das noch nie in Japan in dieser Stärke gemessen wurde ist die Leistung der Ingeneure unfassbar gut gewesen und alles hat genauso funktioniert, wie es sollte. Und das bei einem Reaktor, der über 40 Jahre alt ist! 
Bei einem modernen Typ, wie dem Europäischen Druckwasserreaktor, müsste sich die Erde selbst auftun oder Ausserirdische mit Photonentorpedos die Anlage angreifen, damit der Super-Gau eintritt. Wahrscheinlich wird die linke Ökopresse dann verlangen, das man die "Men in Black" dort stationiert, um die Gefahr abzuwenden. 

Halt, da war doch noch was?

Zur entwichenen radioaktiven Strahlung verweise ich auf die Banana Equivalent dose. Sie ist nicht der Rede wert. Esst halt weniger Bananen oder hört mit dem Rauchen auf! Beziehungsweise raucht einmalig eine Zigarette weniger und nennt sie meinetwegen die Fukushima-Gedenkzigarette. Draußen treiben Drachen ihr Unwesen, kümmert euch lieber um die!

Am Ende noch ein paar Links, die nicht dem Mainstream angehören.

The Register

Bravenewclimate

Blogpost in Deutsch, sehr informativ!

Und die einzig verlässliche Informationsquelle in diesem ganzen Gebrabbel, das zur Zeit stattfindet. Hat einen schönen Updateartikel, wo man sich zur Lage informieren kann.

Internationale Atomenergie-Organisation


Mittwoch, 9. März 2011

Bilderrätsel


Ich dachte mir aufgrund des großen Erfolges meines Weihnachtsrätsels stelle ich ab und an mal ein neues. Thematisch möchte ich mich auf wissenschaftlich interessante Bilder beschränken. 

An diesem sehr entlegenen Ort wird in naher Zukunft etwas wunderbares passieren. Wo ist dieser mysteriöse Ort genau, warum gerade dort und was wird dort geschehen?




Jeder kann in der Kommentarsektion mitraten, gegebenfalls gebe ich Tipps und wenn jemand die Lösung findet, gebe ich spannende Zusatzinformationen und tolle Quellen an. Ein Kick auf das Bild vergrößert es und zeigt es in seiner vollen Schönheit.

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                                                               1. Tipp
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Hier die Umgebung des Ortes. Der Berg am Horizont ist der dritthöchste Vulkan der Erde. So, jetzt sollte es einfach sein. Also nochmal: Wo genau? Was genau? Warum genau da?


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                                                               Auflösung
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Tada, wir haben einen Gewinner! Ja, es handelt sich tatsächlich um das European Extremely Large Telescope (E-ELT), das in der Atacamawüste, genauer auf dem Cerro Armazones, im Norden Chiles errichtet wird. Das vorraussichtliche Jahr der Inbetriebnahme wird 2018 sein. Die Astrophysiker, im Volksmund Astronomen genannt, haben für den genauen Zeitpunkt sogar einen eigenen Begriff. Sie sprechen von First Light. Das ist ein magischer Moment in ihrer Zunft und wird weltweit gefeiert (meist unter Ausschluß der uninteressierten Öffentlichkeit)
Die Atacamawüste ist die trockendste Wüstenregion der Welt (Eiswüsten ausgenommen) und bietet mit 350 wolkenfreien Nächten im Jahr ideale Bedingungen für astrophysikalische Messungen.   

Standort von 51 Pegasi auf der Sternenkarte
Aber warum spreche ich überhaupt davon? Unbemerkt von der ungebildeten, desinteressierten Öffentlichkeit spielt sich seit ca. 10-15 Jahren eine beispiellose Revolution dieser Wissenschaftsdisziplin ab. Das goldene Zeitalter der Astronomie ist JETZT und niemand nimmt davon Notiz! Seit Kopernicus und Galilei sind nicht mehr so bedeutende Entdeckungen auf dem Gebiet der Astronomie gemacht worden wie im letzten Jahrzehnt.

Die Wissenschaftshistoriker des 22zigsten Jahrhunderts werden den 6. Oktober 1995 als den Tag der Renaissance der Astrophysik feiern; leider vermutlich unbemerkt vom Rest des degenerierten Mobs. An diesem Tag nämlich geschah ein wissenschaftlicher Durchbruch ersten Ranges, der unser Weltbild noch fundamental verändern wird.
Die Wissenschaftler Michel Mayor und Didier Queloz entdeckten unter Zuhilfenahme der Radialgeschwindigkeitsmethode 51 Pegasi b, den ersten Extrasolaren Planeten.

Mit Stand vom 11. März 2011 wurden in insgesamt 449 Planetensystemen 538 Planeten nachgewiesen. 55 Systeme wiesen mehrere Planeten auf. Der letzte wurde vorgestern in 586,8 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Wassermann entdeckt und trägt den wenig medialen Namen HU Aqr(AB) c. Er hat 4,5 Jupitermassen und umkreist seinen Stern, genauer gesagt ein Binärsystem aus zwei Sternen, in 11,9 Jahren.
51 Pegasi in Nahaufnahme
Diese unfassbare Anzahl von Planeten, die in so kurzer Zeit entdeckt wurden markieren einen bedeutenden Schritt auf der Suche nach dem heiligen Gral der Astrophysik: Der Entdeckung eines Gesteinsplaneten innerhalb der habitablen Zone flüssigen Wassers um einen Stern der Spektralklasse G2V. Oder, laienhaft ausgedrückt, die Suche nach einer zweiten Erde. Für ganz entrückte: Ein Planet der Minshara-Klasse.
Niemand interessiert sich dafür, aber wir sind GANZ NAH DRAN! Die große Mehrzahl der aufgeführten Planeten wurde am VLT-Interferometer in Paranal entdeckt. Aber leider reicht selbst sein Auflösungsvermögen von 0.002 Bogensekunden bei einer Wellenlänge von 2 Mikrometern nicht aus, um einen solchen Planeten nachzuweisen.
Hier kommt das Extremely Large Telescope ins Spiel, seine optischen Instrumente addieren sich zu einem Spiegel mit einem Durchmesser von 42 Metern. Es fängt 15 mal mehr Licht ein als jedes derzeit betriebene Teleskop.
Die Frage, ob Leben auf anderen Planeten möglich ist, wird noch zu unseren Lebzeiten beantwortet werden!

Hier gibt es noch einen tollen Link für alle, die sich näher mit dem Thema beschäftigen wollen. Die ESO hat einen hervorragenden Podcast von allen wichtigen Entdeckungen und Dingen die in der Wüste von Chile so stattfinden.


Und für die ganze Schreiberei belohne ich mich jetzt mit einer der besten Episoden aus dem Star Treck Universum: "In a Mirror, darkly". Vorsicht, nur für ganz harte Fans!

Dienstag, 8. März 2011

Erklärung

Dies richtet sich an einige Leute meiner Leserschaft, die zu diesem Thema vielleicht noch ein paar Fragen haben. Gibt ja schließlich nicht nur Krieg in der Welt!



Sonntag, 6. März 2011

Der verlorene Krieg


Eine weitere halbstündige Dokumentation über den Krieg in Afghanistan, diesmal aus der Perspektive amerikanischer Soldaten. Die ganze Sinnlosigkeit dieser Unternehmung wird überdeutlich. Ein Krieg, der nicht zu gewinnen ist gegen einen Gegner, der nicht zu finden ist und diese Taktik ewig fortführen kann. Es geht eigentlich nur noch darum ohne Gesichtsverlust dort zu verschwinden.

Ein amerikanischer Gefreiter bringt es auf den Punkt: "Amerika is not at War, Amerika is at the mall." Sehr schön auch die Kinderzeichnungen an den Wänden der afghanischen Häuser.

In diesem Zusammenhang muss ich mal ein lobendes Wort über den ehemaligen Verteidigungsminister (ich kann es kaum glauben das ich das schreibe) loslassen. Wenn irgendetwas positives bleibt, dann die Tatsache das er den Krieg ins Bewusstsein der deutschen Bevölkerung zurückgeholt hat. Jaja, er hat ihn geschmacklos für seinen beispielosen zweijährigen Selbstdarstellungstrip missbraucht und sein unrühmliches Ausscheiden aus dem Amt damit verknüpft. Ein Mann, der selbstlos bis zum letzten politischen Atemzug, an forderster Front mitkämpfend, im Felde unbesiegt, seinen Dienst fürs Vaterland getan hat, bevor ihm die linke Hauptstadtpresse den Dolchstoß versetzt hat; als letze Tat noch die gefallenen Kameraden heimholend. Das verfängt, wie man an 500000 Facebook-Gruppenmitgliedern sehen kann.

Wie dieser Mann für alles steht was ich hasse und verabscheue. Dieser Ekel, der mich überkommt, wenn ich daran denke wie es ausgegangen wäre, wenn er nicht über seine eigene Dummheit und Eitelkeit gestolpert wäre oder, Gott bewahre, Kanzler geworden wäre. Das Schloss in Guttenberg zumauern wäre eine Maßnahme oder wie ein Engländer bereits vor über 400 Jahren schrieb:

O Spartan dog,
More fell than anguish, hunger, or the sea!
Look on the tragic loading of this bed;
This is thy work:—the object poisons sight;
Let it be hid.—Gratiano, keep the house,
And seize upon the fortunes of the Moor,
For they succeed on you.—To you, lord governor,
Remains the censure of this hellish villain;
The time, the place, the torture,—O, enforce it!
Myself will straight aboard; and to the state
This heavy act with heavy heart relate.





Dies auch an jene, die, auf dem Rücken liegend, "Regier mich" winseln wollen. Das ist Obamas Krieg, es ist seine Strategie und seine Verantwortung. Und jeder, der sich im Land auskennt sagt, das das nie und nimmer funktionieren kann. Und nein, ich hab auch keine Lösung parat. Es bleibt nur der Rückzug und angekratzte nationale Egos oder mit allem rein was Beine hat.