Es tut mir leid, nach drei Monaten Therapie hab ich wirklich keine Lust sofort einen Post dazu zu verfassen. Ich brauche eine Pause davon. Die Erfahrung läßt sich sowieso nicht in einem Post beschreiben, deswegen werde ich demnächst immer mal wieder kleine Häppchen davon berichten. Das ist weniger anstrengend für mich. Hier also ein erster Happen, der prima in die laufende Sexismusdebatte passt.
| So siehts aus, Mädels! |
Von meinem Prof. und Doktorvater angesichts einer Injektion hormoneller Präperate in weibliche Mäuse: "Sie wissen ja, je jünger sie sind, desto besser kann man spritzen!".
Zu meiner Scham muss ich gestehen, das ich da betreten geschwiegen habe. Ich hoffe die anwesende TA hat wenigstens mein angewidertes Gesicht zur Kenntnis genommen.
Auf dem Weg nach Bad Bramstedt in Hamburg an der U-Bahn-Station folgender Dialog zwischen Bauarbeitern (warum eigentlich immer Bauarbeiter) und einem jungen Mädchen (zwischen 15-19 Jahre alt)
Bauarbeiter : "Ey, willste ficken?"
Mädchen (flüchtend): "Nein, ich muss jetzt zur Schule."
Bauarbeiter: "Du dämliche, frigide Fotze, ich hau Dir in die Fresse."
Das Mädchen flüchtet um die nächste Ecke, die Bauarbeiter lachen, die Passanten schweigen. Ich schau mich um, 4 Frauen mittleren Alters nehmen das kaum zur Kentniss. "Und?" sage ich zu die werten Damen: "Ist das jetzt alles oder wie?" "Ist doch selbst schuld, wie die angezogen war!" Kein Witz, das ist genau so passiert, einschließlich der Schuldzuweisung am Ende. Und ich dachte das "Selbst-Schuld-Argument" wäre nur ein Mythos. So kann man sich irren.
Aber ich kann durchaus noch eins drauflegen: In der Mensa der Uni Göttingen hing ein sexistisches Plakat einer Beratungsfirma für BWL-Studenten: Ein Mann im dunklen Anzug greift einer Frau in studentischer Kleidung von hinten in den Schritt. Die Aufschrift lautete: "Softskills. Wir bringen Ihnen Dinge bei, die sie in der Uni nicht lernen!" Ich war völlig ausser mir, machte absolut jeden darauf aufmerksam (einschließlich der Frauenbeauftragten der Uni). Passiert ist nix. "Wenns Dich stört, dann häng es doch ab!" sagten mir meine lieben Kolleginnen.
Pornobilder auf Mitarbeiter-Accounts? Kein Problem für Männlein und Weiblein. Nur als die auch noch ausgedruckt wurden gabs ein Riesentrara. Wegen der Druckerkosten wohlbemerkt.
| Dieses Bild wurde nicht in Islamabad aufgenommen! |
Patient 1: Kennst Du die Kleine von Station 14?
Patient 2: Wen? Die mit den dicken Titten?
Patient 1: Ja genau die. Was würdest Du denn mit der anstellen?
Patient 2: Na die guckt so gestreßt, die würd ich mal richtig vollspritzen, dann gings ihr besser.
usw.
In dem Ton ging es noch 10 Minuten weiter. Das alles wäre noch erträglich, aber tatsächlich wurde ich eine Woche später selbst "Opfer" einer solchen Diskussion. Ein neuer Patient kam auf die Station und folgende Diskussion entspann sich im Speisesaal. Anwesend am Tisch waren er, ich und 4 Mitpatientinnen.
Patientin 1 (zum neuen Mitpatienten): Jo mei, endlich mal wieder ein hübscher Mann auf der Station. Sag mal, bist Du eigentlich verheiratet?
Neupatient: öhm, nö.
Patientin 1: Aber eine Freundin hast Du doch sicher, oder?
Neupatient: Nö, aber ich hab eine achtjährige Tochter.
Patientin 1: Na das macht ja nichts, auf jeden Fall bist Du noch zu haben.
Ich: ÄHEM! Gehts noch?
Patientin 1 (zu mir): Ach, Du bist doch mein Buddha (legt mir dabei die Hand auf den Oberschenkel).
Patientin 2 (zum neuen Mitpatienten): Wir haben uns nämlich schon gefragt ob Du schwul bist, so wie Du aussiehst.
Neupatient: äh..
Ich: Mädels, auf dieser Station stößt Fremdscham ans Ende ihrer Möglichkeiten.
Bitte einmal im Kopf alle Geschlechter umdrehen und schwul gegen lesbisch tauschen. Merkt ihr was? Das ging mir so auf den Sack, das ich ein volles Einzel darauf verschwendet habe. Passiert ist natürlich nichts. Mit verteilten Geschlechterrollen wäre die Konsequenz gewesen, das zumindest 2 Patienten ihre Koffer hätten packen müssen. Soviel zu meinen eigenen Erfahrungen mit Sexismus. Er ist nicht geschlechtsgebunden.
Hashtags sind ja offenbar die neue Form des Stammheimer Kassibers, wie Sascha Lobo hier angesichts der #Aufschrei-Debatte anklingen läßt. Das muss man sich mal vorstellen. Ich erstelle ein populäres Hashtag und 3 Tage später sitze ich bei Jauch im Sessel. Vielleicht bin ich ein Snob, aber das Niveau war wieder mal erbärmlich, warum tue ich mir diese Sendung eigentlich noch an?
| Wer sagt hier Tittenblatt? Silly me... |
Hellmuth Karasek wußte viel erhellendes von Küchentischdiskussionen mit seiner Frau zu berichten, flocht die ein oder andere Anekdote ein (aus den Sechzigern) und entblödete sich nicht einmal einen Herrenwitz zum besten zu geben. Außerdem machte er als intimer Amerikakenner auf sich aufmerksam: "Wollen wir amerikanische Verhältnisse? Gespräche zwischen Professor und Studentin nur noch bei offener Tür? Kein Mann steigt noch in einen Fahrstuhl ein, indem schon eine Frau zugestiegen ist?" Aha! Wer läd diesen sabbernden Greis eigentlich noch ein? Und warum blos?
Thomas Osterkorn (Chefredakteur des Stern): Er gab ganz den Feministen, Frauenversteher und verantwortlichen Arbeitgeber. Frau Himmelreich hat wohl nicht die Eier dazu! HöHö! Kommt auch irgendwie schlecht wenn man das ganz große Sexismusfass aufmacht und bei einem Tittenblättchen angestellt ist.
Dr. (ach nee, neuerdings ja ohne) Silvana Koch-Merin war sichtlich erleichtert mal nicht über Doktorarbeiten und Fehlzeiten im Beruf reden zu müssen und verwandelte die vielen Vorlagen treffsicher im Kasten. Eine Diskussionsrunde, wo sie noch am besten wegkommt muss einfach erbärmlich sein. Nicht einmal ihre unsäglichen Schwangerschaftsbilder blieben dem Publikum erspart. Warum spielt diese Frau noch eine Rolle? Ihr neuerlicher Anti-Brüderle-Kurs ist so offensichtlich eine Retourkutsche für die "Unterstützung" in der Plagiatsaffäre, warum hackt Jauch da nicht nach?
They say Wisdom comes with age, but sometimes age comes alone! English Proverb
Wibke Bruns: Wibke wer? Achja, Willi war ja auch kein Kostverächter. Hier wären ein paar Anekdoten tatsächlich lustig gewesen. Stattdessen null Vorbereitung aufs Thema, keine Ahnung von modernen Medien: "60000 Twitternutzer ändern was genau?" DU SITZT HIER AUF DEINEM HINTERN IN DER SENDUNG WEIL 60000 MENSCHEN SICH ZU WORT GEMELDET HABEN, HERRGOTT!
Alice Schwarzer: Für mich die größte Enttäuschung. Normalerweise bin ich immer sehr von ihr begeistert. Aber den Bogen schlagen von Vergewaltigungen in Indien zu Brüderles Altherrensexismus? Da geh ich nicht mehr mit, sry. Die FDP der letzten zwei Jahre macht sowieso nur noch den Eindruck eines Volkssturms für Besserverdiener: Jungen, denen noch kein Bart- oder Sackhaar sprießt (Rößler) oder alte Männer (Brüderle). Wirklich das allerletzte Aufgebot!
Nun Volk steht auf und Sturm brich los! Joseph Goebbels
Anne Wizorek: Ein Hashtag und man wird zur Internet-Aktivistin. Hmhm! Naja, kann sie ja nichts für, das man selbst getaggt wird. Ansonsten: Welpenschutz!
Die ganze Debatte wird so verlogen und mit soviel Unwissenheit geführt. Die "Aktivistinnen" von heute haben sowas von keinen Schimmer von den Schlachten von damals. Mit 30 kommt dann das böse Erwachen. Recht so. Ihr seid so doof, es geschieht euch recht, ehrlich. 3,5 Stunden (siehe Tweet unten) lief die "Twitterdiskussion" bis Godwin's Law unbarmherzig zuschlug.
As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one. Mike Godwin, 1990
@drherzschmerz @Regierungs4tel Hitler war bei Frauen nicht unbeliebt und wurde von ihnen gewählt. #Aufschrei#GodwinsLaw (herz5)
Ich habe es satt! Gesellschaftliche Diskussionen heruntergebrochen auf 140 Zeichen? Seid Ihr noch zu retten? Alles über 140 Zeichen ist dann tl;dr oder was? Am anderen Ende des Spektrums bei Jauch eine Gruppe von Ü50-Schlachtrossen, die keine Ahnung mehr davon haben, wie sich gesellschaftliche Diskussionen heute entwickeln mit einem Moderator, der an der Skisprungschanze besser aufgehoben ist. Was soll ich sagen, das Dschungel-Camp ist für den Grimme-Preis nominiert. Ich verliere meine Contenance: Meinhof, Ensslin, Baader, ihr seid meine Kader!
Ulrike, Du armes fehlgeleitetes Mädchen, was hast Du noch für eine Feder geschwungen!
Die Konsequenz für mich ist: In Zukunft werde ich keine Lanze mehr für Frauen brechen. Ich werde auch nicht zu Hilfe eilen, sondern mir das alles genüsslich ansehen, es sei denn ich würde mich durch unterlassene Hilfeleistung selbst inkriminieren. Darunter mache ich es nicht mehr! Ich kann nämlich Sexismus viel besser als ihr. Ich kann so subtil sexistisch sein, das mir die Menge noch zujubelt, jeder weiß was gemeint war und 185 StGB nicht greift. Ich fühl mich danach zwar Scheisse, aber ich weiß das ihr euch noch viel schlechter fühlt. Wie man Frauen fertigmacht, dazu habe ich gerade ein 3-monatiges Seminar besucht! Ich bin jetzt für den Geschlechterkampf bis an die Zähne bewaffnet!
Und natürlich kann geschossen werden! Ulrike Meinhof
Fundstücke:
Schrödingers Rapist: DAS ist ein guter Beitrag zur Debatte! Geht leider völlig unter.
Rainer Brüderle looking at girls: War ja klar! Wer mit seine Meme nicht mehr kennt, hier gibts Abhilfe:
http://knowyourmeme.com/
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