Mittwoch, 10. November 2010

Was führt Sie zu uns?

Wie einige hier wissen leide ich an F33, nach der Internationalen Statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) ist das eine rezidivierende depressive Störung aus dem Formenkreis der affektiven Störungen. Am Montag, 8.11.2010 wurde diese Selbsteinschätzung nun formal von 2 Ärzten bestätigt. 
Leitsymptome dieser Störung sind: Antriebsverlust, gedrückte Stimmung, gestörter Schlafrhythmus, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle. Darüberhinaus gehen Sie einher mit vielfältigen somatischen  Symptomen, die zu zahlreich sind, um Sie hier alle einzeln aufzuführen.
Im März diesen Jahres ging ich nach recht ausführlicher Lektüre der Literatur und der Selbsteinschätzung, das fast alle Leitsymptome (nicht nur die paar oben aufgeführten) auf mich zutreffen zum Hausarzt. Nahezu sämtliche Tätigkeiten oder Unterlassungen derselben oder auch körperliche Symptome zu meinem Nachteil in den letzten 8 Jahren lassen sich damit recht gut erklären. Als da wären Gewichtszunahme, Psoriasis, exzessiver Gebrauch elektronischer Medien, soziale Phobie usw.
Es wurden diverse somatische Differenzialdiagnosen durchgeführt. Besonders intensiv wurde die Schilddrüse untersucht. Ich brach die Behandlung für ungefähr 6 Monate ab und entschloss mich kürzlich, sie wieder aufzunehmen, da sich zu den üblichen Symptomen kurzzeitig eine akustische Halluzination gesellte. Dies teilte ich dem Hausarzt mit. Mit F33.2 kann man noch leben mit F33.3 nicht mehr. Im Rahmen der Diskussion meiner Blutuntersuchung (Blutzucker und Thyreotropin liegen beruhigenderweise gerade noch so im Normalbereich) teilte ich dies meinem Hausarzt mit. 
Was dann folgte war die schnellste Überweisung, von der ich je gehört habe. Ich hatte die Beschreibung des Symptoms noch nicht beendet, da hielt ich schon den Überweisungsträger in der Hand mit der Anweisung UNVERZÜGLICH zwei Stockwerke höher in die Praxis für Psychotherapie zu gehen. Natürlich konnte ich auf dem Weg dahin nicht widerstehen mir den Überweisungsträger anzusehen. Dort stand: Hochgradige Depression, Vermerk: EILT!
Nun, wer ohne Termin in eine Praxis für Psychotherapie kommt wird normalerweise ausgelacht. Psychotherapeuten können nur wenige Patienten am Tag behandeln und sind in der Regel auf Wochen ausgebucht. Mit dem Ding in der Hand sagte die Sprechstundenhilfe nur: "Setzen Sie sich doch dort drüben ins Wartezimmer". Danach hatte ich so ungefähr 30 Minuten Zeit nachzudenken. Eins kann ich auf jeden Fall sagen: Die Zeitschriften dort haben ein höheres Niveau. Ich entschloss mich auf jeden Fall einen Gang runterzuschalten. So zufällig der Termin auch mit meinem Geburtstag zusammenhing, wenn es in diesem Tempo weiterging würde ich 2 Stunden später stationär behandelt und ich hatte nicht vor diesen Tag im Kreise von Ärzten zu verbringen. 
Nun ja, ich habe mit mir selbst gewettet das der Psychotherapeut im Rahmen seiner Ersteinschätzung als erstes sicher nicht sagt: "Wie geht es Ihnen?" Wie üblich habe ich gewonnen: "Was führt sie zu uns?"

Ich bin untröstlich die geneigte Leserschaft mit einem Cliffhanger zu entlassen, als Entschädigung biete ich dafür eine Kostprobe meiner akustischen Halluzinationen. Ernsthaft, 6 Stunden Wolfsheim im Ohr in Zimmerlautstärke ist kein Spass.