Samstag, 30. April 2011

Nekrolog

Michael Schey
Heute, am 30.April 2011, ist völlig überraschend Michael Schey im Alter von 65 Jahren gestorben. Da dies vermutlich an den meisten Lesern vorbeigehen wird, ohne das sie jemals von ihm gehört haben, möchte ich ein paar Worte über ihn verlieren. Insbesondere, da er in einem Metier tätig war, wo sich der Bildungbürger natürlich nicht auskennen kann und darf: Pornographie. Wer jemals einen deutschen Harcorefilm gesehen hat, hat vermutlich eine seiner Produktionen gesehen. Er war die absolute Nummer 1 auf diesem Gebiet in Deutschland und Europa und man kann Ihn zu den grossen kommerziellen Pornographen des ausgehenden 20. Jahrhunderts zählen. Vor seiner Produzententätigkeit war er als Journalist bei der Bild-Zeitung tätig und schrieb auch für den Spiegel und den Stern als freiberuflicher Mitarbeiter.
Ich will mich gar nicht lange seinen Tätigkeiten ausserhalb der Branche beschäftigen, dazu gibt es die seriösen Nachrufe andere Publikationen. Seine Filme zeichneten sich vor allem dadurch aus, das er häufig im Interviewstil die Darsteller bei der Arbeit kommentierte. Und das war zu Teil zum Schreien komisch. Ich bin natürlich, wenn überhaupt, nur mit seinem Frühwerk Anfang der Neunziger Jahre vertraut (logo!). Später veronkelte er zusehens. Sein Ruhrgebietshumor hat den Essener allerdings nie verlassen. Seine Arbeit zeichnete sich durch eine niemals verhehlte Bodenständigkeit aus, Hochglanzproduktionen und aufgesetzte Künstlichkeit waren ihm fremd. 
Obwohl er auch mit einigen Stars der Branche wie Michaela Schaffrath und Vivian Schmitt gearbeitet hat, war doch die Majorität seiner weiblichen Darsteller unbekannt und eher dem Amateurlager zuzuordnen. Zumindest bis in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre als der Markt von Osteuropäerinnen überschwemmt wurde. 
Rheinische Frohnatur bei der Arbeit
Als Filmemacher wird er immer eine Fußnote bleiben, das Feuilleton ignorierte ihn natürlich. Das ist insofern erstaunlich, da diese Damen und Herren ja sonst zu jedem Thema eine kluge Meinung haben. Es ist nicht vermessen zu behaupten, das er in den letzten 20 Jahren der mit weitem Abstand meistgesehene deutsche Regisseur ist. Gibt natürlich niemand zu und belastbare Zahlen gibt es dazu auch nicht. Seine Filme waren niemals entwürdigend und zuweilen äußerst humorvoll, nebenbei bemerkt.
Da ich ja weiß, das noch niemand meiner Leser je einen Film von Ihm gesehen hat  (is klar!) sollte nun ja eigentlich eine Auswahl sehenswerter Filme folgen, damit man sich mit seinem Werk vertraut machen kann. 
Das unterlasse ich mal lieber, da die diversen Regierungen meiner männlichen Kundschaft mitunter mit harscher Zensur und empfindlichen Sanktionen im Schlafgemach reagieren könnten. In den seltensten Fällen sind  das ja basisdemokratische Staatsformen. 
Im Gegensatz zu Oswald Kolle, der es in jede Talkshow geschafft hat, war Schey "the real deal" und hat zur sexuellen Sozialisation von Millionen Bundesbürgern beigetragen. Zweifellos auch zum Scheitern mancher Ehe oder Beziehung. 

Sehr bedauerlich, das er von uns gegangen ist. Ungehört, unbesungen und natürlich ungesehen.