Der Urlaub ist ja bekanntermaßen eine Zeit in der man in Muße und mit dem nötigen Abstand zum täglichen Geschäft die Seele baumeln lassen und einmal grundsätzlich über die Dinge des Lebens nachdenken kann. Der Bildungsbürger tut dies mitunter mit der entsprechenden Lektüre, die ihm hoffentlich neue Horizonte eröffnet und andere Sichtweisen nahebringt.
Was für ein hohes Glück, das ich ein solch literarisches Kleinod der Sachbuchliteratur, das mir rechtzeitig von befreundeter Seite zukam, in der Abgeschiedenheit des mittelfinnischen borealen Nadelwaldes intensiv studieren konnte. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich mich dadurch hauptsächlich mit Mathematik beschäftigt und muss meine ursprüngliche Einschätzung der Disziplin ergänzen und in Teilen revidieren.
| Mathe, ausnahmsweise mal spannend |
Es handelt sich um das Buch "Fermats letzter Satz: Die abenteuerliche Geschichte eines mathematischen Rätsels." von Simon Singh.
Im Jahre 1637 formulierte der französische Hobbymathematiker und hauptberufliche Strafrichter Pierre de Fermat:
„Es ist unmöglich, einen Kubus in zwei Kuben zu zerlegen, oder ein
Biquadrat in zwei Biquadrate, oder allgemein irgendeine Potenz größer
als die zweite in Potenzen gleichen Grades. Ich habe hierfür einen
wahrhaft wunderbaren Beweis gefunden, doch ist der Rand hier zu schmal, um ihn zu fassen.“
oder, mathematisch kürzer:
Ein Gleichung der Form an + bn = cn mit
besitzt für keine natürliche Zahl n > 2 eine Lösung.
358 Jahre lang haben sich die besten Mathematiker der Welt an dieser simplen Formulierung, die jeder Unterstufenschüler versteht, die Zähne ausgebissen. Die mönströse Schwierigkeit des Beweises von Andrew Wiles aus dem Jahre 1995 (über 100 Seiten!) wird nur noch übertroffen durch die totale Irrelevanz des eigentlichen zahlentheoretischen Problems für den alltäglichen Gebrauch.
Aber halt, bevor ich hier wieder Mathematikerbashing betreibe muss ich eine Lanze brechen für die enorme Leistung, die hier vollbracht wurde und die in diesem Buch in extenso beschrieben ist. Durch die vergangenen Jahrhunderte hatte jeder Mathematiker von Rang, sei er Zahlentheoretiker oder nicht, eine Meinung dazu. Das Buch streift die Lebensgeschichten vieler berühmter Mathematiker wie z.B. von Évariste Galois, dessen kurzes Leben inmitten der französischen Revolution locker den Stoff für einen abendfüllen Spielfilm bieten würde.
Insgesamt eine äußerst interessante Lektüre, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Mathematisches Vorwissen braucht man dazu kaum. Jeder der Mathematik seit seiner Schulzeit für eine entsetzliche Gehirnfolter hält, bekommt einen völlig neuen Blick darauf.
















