Dienstag, 6. November 2012

Im Irrenhaus




Ich möchte der geneigten Leserschaft mitteilen, das ich gut in Bad Bramstedt angekommen bin. Die Unterbringung ist wirklich vorzüglich (gemessen am Standart meines Appartments) und das Essen ist reichlich, gut und kostenlos. Ich esse besser als Ihr, das ist mal sicher.  Man kann sich das wie ein Mittelklasse-Hotel vorstellen, nur das eben alles kostenlos ist. Es gibt ein Schwimmbad, eine Turnhalle und *trommelwirbel* ein Sauna.  Die Aufnahme und das organisatorische Prozedere zieht sich allerdings hin. Zunächst gab es eine psychologische und eine medizinische Aufnahme (jeweils eine Stunde). Vorher gab es an der Rezeption einen Fragebogen auszufüllen, der seinen Weg aber nicht in die Station gefunden hatte, so dass ich viele Dinge doppelt erzählen musste.  Das psychologische Aufnahmegespräch verlief recht unspektakulär, es ist ja auch gefühlt das hundertste Mal, das ich einem  Mediziner oder Therapeuten die Symptomatik erläutere (ich kanns selbst nicht mehr hören).  

häusliche Idylle in Bad Bramstedt
Dann folgte das medizinische Aufnahmegespräch und das hatte es wirklich in sich. Untersucht hat mich eine junge Ärztin, sehr nette Erscheinung. Anamnese, Vorerkrankungen, blablabla. Und da dachte ich mir: Mädel, zeig mir mal was Du drauf hast! Ich stehe ja auf selbstbewusste Frauen, die was im Kopf haben. Also sagte ich ihr, das ich bei meinem Hausarzt zunächst somatisch untersucht wurde und dabei, natürlich, die Schilddrüsenfunktion getestet wurde, weil dieses Organ eine zentrale Rolle im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen spielt. Das kann soweit gehen, das man schwerste psychische Erkrankungen einfach durch die Gabe von Pillen komplett heilen kann. Logisch das man da zunächst einmal nachschaut. Vielleicht gibt’s ja ne einfache Lösung für das Problem. Ich sagte Ihr also, das eine subklinische Fehlfunktion festgestellt wurde, ich mich aber nicht mehr erinnern kann welche, nur das ich weder Hashimoto noch Basedow habe und auch rein organisch in situ nichts auffällig sei. Also bleibt eine Über- oder eine Unterfunktion.  Der Arzt hätte mir aber L-Thyroxin verschrieben. Habe ich jetzt nun eine Über- oder eine Unterfunktion?


Diese Frage ist für einen Mediziner eine reine Wissensfrage. Und sie ist einfach, sehr einfach! Das ist ungefähr so, als ob ich einen Mathematiker nach den binomischen Formeln frage oder einen Biologen nach dem Begründer der Evolutionstheorie. Jaja, vielleicht macht der Mathematiker Stochastik und der Biologe Biophysik und der Mediziner behandelt Tropenkrankheiten aber eine Ärztin, die auf einer psychatrischen Station arbeitet und eine Hyperthyreose nicht von einer Hypothyreose unterscheiden kann. WTF! 

Andererseits? Who gives a flying fuck! Egal, also erstmal rein in die Sauna. Nette Unterhaltung mit netter junger Dame geführt. Soweit, so gut. Die anderen schauen mich an wie ein Auto. Dame geht, ich: "Was is denn?" "Junger Mann, schaun Sie mal im ICD-10-Katalog unter F52.7 nach." 
Ich bin echt ein naives Schaaf, wirklich! Naja, andererseits, ich hab ja Erfahrung mit dem Krankheitsbild. So, das wars erstmal von hier. 

Mein vordringlichstes Bestreben ist es nun zunächst einen Geisterschein zu bekommen. Wer weiß, was das ist oder hat eine Vorstellung davon, was das sein könnte? Eines der wenigen  Dinge, die wirklich schlecht zu googlen sind. Und warum könnte ein Geisterschein im Zusammenhang mit Damen, die an F52.7 leiden wichtig sein?